Internet-Telefonie: Viel Schub für Billig-Telefonierer

Udo

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Der Markt ist reif für die kostengünstige Internet-Telefonie. Nach dem Geschäftskundenmarkt wollen erste Anbieter nun auch im Massengeschäft Fuss fassen - die Swisscom zögert.

«Mit einer IP-Telefonielösung können Unternehmen zwischen 10 und 50% ihrer Telefonkosten einsparen». sagt Hanspeter Tinner, der Geschäftsleiter des Netzwerk- und Telekomanbieters Solpa, der aus T-Systems Multilink hervorgegangen ist. Besonders gross seien die Einsparungen bei global tätigen Firmen, die ein hohes internes Gesprächsvolumen zwischen den einzelnen Standorten hätten. Der Grund für diese happigen Preisabschläge liegt in der Technik, im Fachjargon Voice over IP (VOIP) genannt: Für die Übermittlung der Sprache werden nicht dedizierte Leitungen zwischen den Partnern aufgebaut, sondern Sprache in Datenpakete abgepackt und neben E-Mail und anderen Daten über Internet-Verbindungen geschickt. Im Falle eines globalen Konzerns bedeutet dies, dass die Telefonate praktisch zum Nulltarif zu haben sind, weil sie über die bestehenden Datenleitungen gelegt werden. Der Internet-Telefonieanbieter verrechnet meist nur noch eine Rufschaltgebühr von wenigen Rappen (siehe Kasten).
Solpa wird am 1. Mai ein VOIP-Angebot für Unternehmen lancieren. Der Schweizer Anbieter schliesst damit zu internationalen Netzwerkcarriern auf wie Equant, Colt oder BT, die entsprechende Dienste bereits seit längerem anbieten. Wegen des anhaltenden Booms bei den Breitbandanschlüssen (ADSL und Cable-TV) soll im Sommer ein entsprechendes Angebot auch für Private und kleinere Unternehmen folgen. Dieses wird Solpa allerdings nicht selbst vertreiben, sondern dafür Partnerfirmen wie Globalzone einspannen. Ebenfalls ein auf Grosskunden und KMU zugeschnittenes Angebot will Sunrise, die Nummer zwei auf dem Schweizer Telekommarkt, starten. Im Juni wird das Unternehmen über entsprechende Produkte und Partner informieren. Angebote für Privatkunden würden parallel dazu evaluiert, «in erster Linie» gehe es aber um den Geschäftskundenmarkt.

*Grundgebühr wackelt*

Bereits im Massenmarkt tätig ist die Firma Econophone in Zürich. Der Econostream genannte Dienst sei sehr erfolgreich angelaufen, sagt Samuel Gross, der Econophone-Chef. «Wir liegen weit über Budget.» Über einen Konverter, der an den ADSL-Router oder das Kabelmodem angeschlossen wird, können mit einem herkömmlichen Telefonapparat Gespräche geführt werden, die in der Schweiz zwischen 1.99 und 4.9 Rp./min kosten. Es ist allerdings eine monatliche Abogebühr von 9.90 Fr. zu entrichten, die zusätzlich zu der Anschlussgebühr der Swisscom von 25.25 Fr und den ADSL-Kosten bezahlt werden muss. Wer die Lösung von Econophone über das TV-Kabel benutzt, kommt billiger weg. Denn die Cablecom, die ebenfalls VOIP-Pläne verfolgt und gemäss eigenen Angaben in der Schweiz bereits 20000 Testkunden zählt, verlangt zusätzlich zum Breitbandanschluss eine Telefon-Abogebühr von happigen 20 Fr. pro Monat; die Minuteneinheitstaxe beträgt 3 Rp. Cablecom orientiert sich zumindest mit den Abogebühren an den Höchstpreisen der Swisscom.

Dass es auch anders geht, machen VOIP-Anbieter aus Deutschland vor. Sipgate und Nikotel, so heissen zwei dieser Anbieter, verlangen beispielsweise keine Grundgebühr. Wer den Dienst nutzt, zahlt lediglich die Gesprächsminutentaxen, die im Fall von Sipgate innerhalb Deutschlands zwischen 0,89 und 1,79 Cent betragen, Gespräche zwischen Sipgate-Kunden sind gratis - und zwar egal, von welchem Flecken dieses Planeten der Anruf getätigt wird. Laut eigenen Angaben zählt Sipgate rund 10000 Kunden, davon bereits «mehrere hundert» aus der Schweiz, die zurzeit noch die deutschen oder englischen Telefonnummern nutzen müssen. In wenigen Wochen jedoch, versichert ein Mitarbeiter des deutschen Unternehmens, bekommt Sipgate vom Bakom einen Schweizer Nummernblock zugeteilt. Dann wird das Unternehmen hier zu Lande erst richtig aktiv werden.

*Swisscom: Ein Drittel des Umsatzes ist gefährdet*

Es ist klar, der Ex-Monopolistin Swisscom gefällt diese Entwick-lung auf dem Telefoniemarkt nicht. Ihre Abhängigkeit vom klassischen Festnetz-Geschäft ist nach wie vor sehr gross. Allein 2003 setzte sie mit Fixnetz-Diensten 5,6 Mrd Fr. um. Das sind immerhin 35% des Gesamtumsatzes. Mit einem VOIP-Dienst für das Massengeschäft würde sie ihr Kerngeschäft kannibalisieren, so ihre Befürchtungen. Entsprechend zugeknöpft reagiert sie auf Anfragen und lässt via E-Mail-Statement ausrichten, dass die VOIP-Technologie für den «vollen Ersatz noch nicht reif genug» sei und dass in der Schweiz die Endpreise für herkömmliche Telefonie «sehr tief» seien, was der Verbreitung von VOIP «hinderlich» sei - eine selbstredend ziemlich einsame Einschätzung des Marktes.

QUELLE: HandelsZeitung vom 27.04.2004
 
Merci Udo für den Artikel! Damit ist mein Motz-Thread ("Pennt Sipgate?") hinfällig geworden - offenbar pennen sie nicht. Was die Swisscom betrifft: die kriegen langsam Panik. Nachdem der Kundenstamm in den letzten Jahren ohnehin drastisch geschrumpft ist, sehen sie jetzt auch noch den Festnetz-Goldesel wegbrechen. Während die Firma gegen die Entbündelung der letzten Meile juristisch vorgehen kann, ist sie gegenüber der SIP-Telefonie ziemlich machtlos.

Was die Preise für herkömmliche Telefonate in der Schweiz betrifft, welche die Swisscom als "sehr tief" bezeichnet: Das ist echt zum ablachen. Die SC verlangt beispielsweise für ein einminütiges Gespräch nach Ungarn 70 Rp (ca. 45 ct.), während sipgate nur 5 ct. verlangt - ich denke, das spricht für sich.

Peter, der es kaum erwarten kann, eine CH-Nummer von Sipgate zu kriegen.
 
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