[Info] [Erfahrungsbericht] Powerline an VDSL 35b: FRITZ!Powerline 1220 vs. devolo Magic 2 – massive Unterschiede bei DSL-Störungen und eine Lösung

Ganzir

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Hallo zusammen,​


ich möchte meine Erfahrungen mit verschiedenen Powerline-Adaptern an einem VDSL-35b-Anschluss schildern. Vielleicht hilft der Bericht dem einen oder anderen, der vor einem ähnlichen Problem steht.

Ausgangssituation

Es geht um ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1986 mit mehreren Etagen und entsprechend alter Elektroinstallation. Eine strukturierte Ethernet-Verkabelung zwischen den Etagen ist derzeit nicht vorhanden. Neue Leitungen durch fertig ausgebaute Räume zu ziehen, möchte ich möglichst vermeiden.

Als Router kommt eine FRITZ!Box 7690 zum Einsatz. Der Internetanschluss ist VDSL-Supervectoring mit Profil 35b.

Die wesentlichen DSL-Eckdaten:

  • Leitungslänge laut FRITZ!Box: ca. 417–419 m
  • Leitungsdämpfung Downstream: 21 dB
  • Synchronisation: ca. 125/42 Mbit/s
  • Leitungskapazität Downstream: ca. 143–144 Mbit/s
  • Störabstandsmarge: 8 dB Downstream, 7 dB Upstream
  • G.Vector: full
  • G.INP: aktiv
Ziel war es, zwei FRITZ!Repeater 6000 in unterschiedlichen Etagen per Ethernet an den Router anzubinden. Als Übertragungsmedium sollte Powerline dienen.

Wichtig war mir dabei nicht die höchstmögliche Powerline-Datenrate, sondern vor allem eine zuverlässige Verbindung ohne nennenswerte Beeinträchtigung des DSL-Anschlusses.

1. FRITZ!Powerline 1220 – erhebliche DSL-Störungen​

Zunächst habe ich FRITZ!Powerline 1220 ausprobiert. Diese Geräte verwenden HomePlug AV2.

Auf der problematischen Strecke erreichte ich ungefähr:

  • Powerline-Verbindungsrate: ca. 49 Mbit/s
  • Tatsächlicher Nutzdatendurchsatz: ca. 20 Mbit/s
Deutlich problematischer war allerdings das Verhalten der DSL-Leitung.

Unter Powerline-Last stiegen die korrigierten DSL-DTU massiv an. Es traten außerdem CRC-Fehler und schwerwiegende Fehlersekunden (SES) auf.

Die Geräte wurden deshalb zurückgegeben.

2. devolo Magic mit integriertem WLAN – ebenfalls problematisch​

Anschließend habe ich devolo-Magic-Geräte mit integriertem WLAN ausprobiert. Diese verwenden G.hn statt HomePlug AV2.

Die Hoffnung war, dass sich G.hn besser mit dem VDSL-Anschluss verträgt.

Leider zeigten auch diese Geräte unter Last erhebliche Auswirkungen auf die DSL-Fehlerzähler.

In einer Messung wurden innerhalb von 15 Minuten ungefähr 40.000 korrigierte DSL-DTU registriert. Dabei war bereits ein VDSL-Kompatibilitätsmodus aktiviert.

Teilweise traten auch CRC- beziehungsweise unkorrigierte Fehler auf.

Auch diese Geräte gingen deshalb zurück.

3. devolo Magic 2 LAN – deutlich bessere Ergebnisse​

Danach habe ich es mit den reinen LAN-Versionen der devolo-Magic-2-Adapter versucht.

Zum Einsatz kommen inzwischen:

  • 1 × devolo Magic 2 LAN, Modelltyp MT:2999, mit einem Ethernet-Port
  • 3 × devolo Magic 2 LAN triple, Modelltyp MT:3157, mit jeweils drei Ethernet-Ports
Zwei der Adapter sind ältere Geräte, zwei wurden neu gekauft.

Alle vier laufen mit der Firmware 7.12.9.142 vom 02.05.2023.

Bemerkenswert: Die neu gekauften MT:3157 haben deutlich hellere LEDs als das ältere Gerät desselben Modelltyps. Ob es darüber hinaus Hardwareunterschiede gibt, kann ich nicht beurteilen.

DSL-Verhalten​

Mit den Magic-2-LAN-Adaptern sieht die Situation völlig anders aus.

Selbst bei laufendem Download über die Powerline-Verbindung bleiben die DSL-Fehlerzähler bislang auf einem sehr niedrigen Niveau.

Beispiel einer Messung mit vier verbundenen Adaptern:

DSL-KennzahlVor dem DownloadWährend/nach dem Download
Leitungskapazität Downstream143.260 kbit/s142.423 kbit/s
Synchronisation Downstream124.998 kbit/s124.998 kbit/s
Störabstandsmarge Downstream8 dB8 dB
Korrigierte DTU Downstream, letzte 15 Minuten5046
Korrigierte DTU Upstream, letzte 15 Minuten63
CRC, letzte 15 Minuten00
Unkorrigierte DTU, letzte 15 Minuten00
Fehlersekunden ES Downstream/Upstream, kumuliert1/11/1
Schwerwiegende Fehlersekunden SES0/00/0
Die 15-Minuten-Zähler sind gleitende Zeitfenster und daher keine kumulative Vorher-Nachher-Messung. Entscheidend ist, dass unter der beobachteten Last kein auffälliger Fehleranstieg erkennbar war.

Die geringfügige Veränderung der angezeigten Leitungskapazität liegt im Bereich üblicher Schwankungen und lässt für sich genommen keine Aussage über eine Störung zu.

Übertragungsleistung​

Auf der bislang schwächsten Strecke, über zwei Etagen hinweg, habe ich einen größeren Download durchgeführt.

Die Übertragungsrate stieg dabei von zunächst etwa 8,5 MB/s auf zuletzt 10 MB/s, entsprechend ungefähr 80 Mbit/s Nutzdatendurchsatz.

Das ist für meine Zwecke ausreichend.

Interessant war, dass devolo Cockpit zwischenzeitlich für eine Verbindung lediglich 53 Mbit/s anzeigte. Die angezeigten Powerline-Verbindungsraten sind offensichtlich nicht ohne Weiteres mit dem tatsächlich gemessenen Nutzdatendurchsatz gleichzusetzen. Insbesondere ist dabei zu beachten, zwischen welchen Adaptern die angezeigte Rate gilt und zu welchem Zeitpunkt sie ermittelt wurde.

Die Messung mit einem Download ist kein Ersatz für einen kontrollierten lokalen iperf-Test. Sie bildet aber meine tatsächliche Nutzung gut ab.

4. Kopplungsprobleme und deren Lösung​

Die größte Schwierigkeit war überraschenderweise nicht die DSL-Verträglichkeit, sondern die Zusammenführung der vier devolo-Adapter zu einem gemeinsamen G.hn-Netz.

Die Kopplung über die Pairing-Tasten funktionierte bei mir nicht zuverlässig.

Teilweise ließ sich ein weiterer Adapter hinzufügen, während ein zuvor verbundener Adapter anschließend nicht mehr im Netzwerk erschien.

Nach mehreren Versuchen habe ich einen anderen Weg gewählt:

Ich habe jedem der vier Adapter über seine Weboberfläche manuell dasselbe Powerline-Netzwerkkennwort zugewiesen.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um das PLC-Netzwerkkennwort, nicht um das Kennwort für den administrativen Zugang zur Weboberfläche.

Für einen isolierten Adapter ohne DHCP-Verbindung habe ich einen Laptop direkt per Ethernet angeschlossen und dessen IPv4-Adresse vorübergehend manuell passend zum Subnetz des Adapters konfiguriert.

Anschließend konnte ich die Weboberfläche erreichen und das Netzwerkkennwort setzen.

Das Ergebnis: Alle vier Adapter befinden sich jetzt im selben G.hn-Netz.

Die Kopplung über die Tasten war damit nicht mehr erforderlich.

Die Kennwörter bleiben auch nach dem Trennen von der Stromversorgung gespeichert.

5. VDSL-Kompatibilitätseinstellungen​

Bei den funktionierenden Magic-2-LAN-Adaptern habe ich die VDSL-Kompatibilitätseinstellungen nicht manuell optimiert.

Die automatische VDSL-Kompatibilität ist aktiviert. In der Oberfläche wird zusätzlich MIMO mit VDSL-Profil 17a als auswählbare Einstellung angezeigt.

Da die automatische Anpassung aktiviert ist, lässt sich aus dieser Anzeige allein nicht ableiten, welcher Betriebsmodus zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich verwendet wird.

Ich habe die Einstellungen bewusst unverändert gelassen, weil die DSL-Messwerte keinen Anlass für Eingriffe bieten.

6. Endgültiger Netzwerkaufbau​

Die Installation sieht inzwischen folgendermaßen aus:

Obergeschoss:

FRITZ!Box 7690 → Ethernet → devolo Magic 2 LAN

Powerline-Backbone:

Vier devolo Magic 2 LAN beziehungsweise LAN triple in einem gemeinsamen G.hn-Netz

Erdgeschoss und Keller:

Jeweils ein devolo Magic 2 LAN triple → Ethernet → FRITZ!Repeater 6000

Beide FRITZ!Repeater 6000 arbeiten als LAN-Brücke und sind erfolgreich in das FRITZ!Mesh der 7690 eingebunden.

SSID, WLAN-Kennwort und die weiteren Mesh-WLAN-Einstellungen werden vom Mesh Master übernommen.

Die Ethernet-Verbindung zu den Repeatern hat außerdem den Vorteil, dass die betreffenden devolo-Adapter nicht wegen fehlender Ethernet-Verbindung in den Standby wechseln.

7. Fazit​

Meine wichtigste Erkenntnis aus den Versuchen:

Powerline ist nicht gleich Powerline – und selbst die Verwendung von G.hn garantiert noch keine identischen Auswirkungen auf eine VDSL-Leitung.

In meiner konkreten Installation ergaben sich erhebliche Unterschiede:

  • FRITZ!Powerline 1220 (HomePlug AV2): massive DSL-Störungen unter Last
  • Getestete devolo Magic mit integriertem WLAN (G.hn): ebenfalls deutlich erhöhte DSL-Fehlerzähler
  • devolo Magic 2 LAN / LAN triple (G.hn): bislang sehr geringe DSL-Fehlerzahlen, auch während des getesteten Downloads
Daraus folgt ausdrücklich nicht, dass die Magic-2-LAN-Geräte grundsätzlich störungsfrei sind oder dass die anderen Geräte in jeder Installation Probleme verursachen müssen.

Die Elektroinstallation, die Leitungsführung, die verwendete Hardware und die jeweiligen Betriebsbedingungen können das Ergebnis beeinflussen.

Es handelt sich um einen Erfahrungsbericht aus einer konkreten Installation und nicht um eine EMV-Labormessung.

Ein mehrtägiger Dauerbetrieb unter wechselnder Last sowie gegebenenfalls zusätzliche lokale Durchsatztests stehen noch aus.

Für mich ist das Ergebnis trotzdem erfreulich: Ich habe jetzt ein funktionierendes Powerline-Backbone über mehrere Etagen, zwei per LAN angebundene Mesh-Repeater und bislang keine erkennbare erhebliche Beeinträchtigung meines VDSL-Anschlusses.

Vielleicht helfen die Erfahrungen anderen Nutzern, die Powerline wegen VDSL-Störungen bereits vollständig abgeschrieben haben.

Viele Grüße
 
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Reaktionen: erst_nachdenken
Die wesentlichen DSL-Eckdaten:

  • Leitungslänge laut FRITZ!Box: ca. 417–419 m
  • Leitungsdämpfung Downstream: 21 dB
  • Synchronisation: ca. 125/42 Mbit/s
Unter diesen grenzwertigen Bedingungen würde ich einen Wechsel auf DSL 100 mit Profil 17a in Erwägung ziehen. Dabei spart man neben Nerven vielleicht sogar noch etwas Geld.
 
Danke für den Hinweis. Die Leitung ist mit rund 417 m für Supervectoring sicherlich nicht besonders kurz, aber weshalb sie deshalb unter grenzwertigen Bedingungen arbeiten sollte, erschließt sich mir nicht ganz.

Die FRITZ!Box zeigt bei einer Synchronisation von 125 Mbit/s eine Leitungskapazität von rund 142 Mbit/s und eine Störabstandsmarge von 8 dB im Downstream an. CRC-Fehler, unkorrigierte DTU oder schwerwiegende Fehlersekunden treten in den bisherigen Messungen praktisch nicht auf.

Die 125 Mbit/s sind zudem durch das DSLAM-Profil begrenzt und nicht das Maximum, das die Leitung aktuell erreichen könnte.

Der Wechsel auf Profil 17a wäre sicherlich eine Überlegung wert, wenn die Leitung instabil wäre oder sich die Powerline-Störungen nicht anderweitig beheben ließen. Beides ist momentan aber nicht der Fall.

Ich würde daher ungern auf rund 20 % der Downloadgeschwindigkeit verzichten, ohne dafür einen erkennbaren technischen Vorteil zu erhalten.

Oder übersehe ich etwas, das du anhand der genannten Leitungswerte als kritisch einstufst?
 
Wenn du das so möchtest, dann lasse es so. Dass die Leitungswerte hart an der Grenze sind, sagst du ja selbst:
Die 125 Mbit/s sind zudem durch das DSLAM-Profil begrenzt
Das kann eigentlich nur eine Limitierung per DLM sein, denn in Produktdatenblatt oder Leistungsbeschreibung gibt es so ein Profil sicher nicht.
 
Ich habe nicht behauptet, dass die Leitung hart an ihrer Grenze arbeitet. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass die aktuelle Synchronisationsrate durch die DSLAM-Datenrate Max. von 125.000 kbit/s begrenzt wird.

Die FRITZ!Box zeigt gleichzeitig eine Leitungskapazität von rund 142.000 kbit/s bei 8 dB Störabstandsmarge an. Die bisherigen Fehlerzähler sind ebenfalls unauffällig.

Dass die Begrenzung durch DLM/ASSIA zustande gekommen sein könnte, ist durchaus möglich. Das habe ich weder ausgeschlossen noch lässt sich die Ursache allein anhand der angezeigten DSLAM-Datenrate bestimmen.

Mir geht es aber vor allem um die Frage, weshalb ich einen stabil laufenden Anschluss auf Profil 17a umstellen sollte, wenn die ursprünglichen Powerline-Störungen inzwischen behoben sind.

Welchen konkreten technischen Vorteil erwartest du unter den derzeitigen Bedingungen von dieser Umstellung?
 
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