das zum Thema Arcor und 7050
Arcor bietet - wie viele andere Provider auch - Telefon- und Internet Pakete an, die von einem Telekom-Anschluss vollständig unabhängig sind. Im monatlichen Paketpreis sind Flatrates für Telefonie und Internet bereits enthalten, so daß die laufenden Kosten gut überschaubar bleiben.
Der Haken ist, daß die Telekom unabhängigen Pakete keine "echte" Sprachverbindung (analog oder ISDN) besitzen (es sei denn man bucht und bezahlt sie extra), sondern die Telefonie über das Internet mit Voice-Over-IP Technik realisiert wird. Grundsätzlich ist diese Technik recht ausgereift, so daß Telefongespräche in ausreichender bis guter Qualität geführt werden können. Ein PC ist dazu nicht notwendig, die "alten" analogen Endgeräte können weitergenutzt werden.
Jedoch gibt es aus meiner Sicht speziell beim Arcor-Angebot zwei dicke Kröten zu schlucken:
1) Die mit dem Paket ausgelieferte "Easybox A400" taugt in der aktuellen Version nicht wirklich viel: die VoIP Sprachqualität bewegt sich auf dem Niveau einer mäßigen Handyverbindung und wird durch Hall auf der Seite des Gesprächspartners getrübt.
Auch die Performance und Stabilität beim Zugriff auf das Internet sind subjektiv schlechter als bspw. bei AVMs Fritz!Box.
2) Man bekommt von Arcor die Zugangsdaten speziell für den VoIP Account nicht mitgeteilt. Stattdessen erhält man einen sog. Installationscode mit dessen Eingabe die Easybox konfiguriert wird. Dieses System ist zwar absolut idiotensicher, verhindert jedoch den Einsatz bereits vorhandener eigener Hardware am Arcor Anschluss.
Vermutlich will man seitens Arcor nicht x-beliebige Hardwarekonstellationen supporten müssen, aber für Power-User sollten die Zugangsdaten m.E. zugänglich sein.
Nach etwas Experimentation und Studium des "IP-Phone Forums" ist es mir gelungen, eine Fritzbox 7050 WLan am Arcor Anschluss zu installieren und sowohl Internet wie auch Telefonie damit zu betreiben.
Die folgenden Schritte beschreiben kurz, wie ich dazu vorgegangen bin. Eventuell hilft dies dem einen oder anderen sich der bescheidenen Easybox zu entledigen. Danke hier auch noch mal an die User des IP-Phone-Forums, ohne deren Beiträge ich nicht so weit gekommen wäre.
Das was folgt, hat für mich funktioniert, es kann bei früher / später geschalteten Anschlüssen bzw. Easyboxen mit neuerer Firmwareversion (meine hat 1.50.502) anders aussehen!
Schritt 1: Installation der Arcor Hardware
Am Anschalttag habe ich die von Arcor gelieferte Hardware gemäß Anleitung installiert und Telefonie und Internet mit Hilfe des "Modeminstallationscodes" in Betrieb genommen.
Schritt 2: Auslesen der Konfiguration aus der Arcor-Easybox
Um an die Zugangdaten für den Arcor Anschluss heranzukommen bietet sich an, die in der Easybox gespeicherte Konfiguration als Datei auf den PC zu übertragen und zu analysieren. Dazu öffnet man in einem Browser die URL
http://arcor.easybox/ und navigiert zum Menüpunkt "Extras"/"Fernwartung". Dort befindet sich die Option "Einstellungen sichern", mit der man die Datei "arcor_config.bin" von der Box herunterladen kann.
Schritt 3: Analyse der Konfgurationsdatei
Die Datei arcor_config.bin kann man am besten mit einem Hex-Editor wie beispielsweise WinHex bearbeiten. Zunächst muss die Datei byteweise mit dem Wert 0xFF XOR verknüpft werden um die Daten im Klartext lesen zu können. In WinHex geht dies mit der Menüoption "Edit/Modify Data"
An den folgenden Adressen innerhalb der Datei stehen die Zugangsdaten nun im Klartext:
0x0B20C PPPoE1 Login
0x0B290 PPPoE1 Passwort
0x0B428 PPPoE2 Login
0x0B4AC PPPoE2 Passwort
0x15F36 VoIP Login
0x15F66 VoIP Passwort
0x15E74 SIP-Proxy
0x15E34 SIP Registrar
Schritt 3: Wechsel von Arcor Hardware auf die Fritz!Box
Die Arcor Hardware habe ich nun von der TAE Dose, dem Netzwerk und dem Telefon getrennt und nur die Stromversorgung verbunden gelassen um ggfs. schnell wieder zurück wechseln zu können.
Die Fritz!Box wird wie in der Bedienungsanleitung beschrieben mit der TAE Dose verbunden, d.h. zuerst wird der Splitter an die Dose angeschlossen und daran die Fritz!Box. Ob das auch ohne Splitter funktioniert habe ich nicht ausprobiert. Da am Arcor Anschluss kein Sprachsignal (ISDN bzw. analog) anliegt habe ich die dafür erforderliche Verkabelung nicht angeschlossen, d.h. kein NTBA bzw. TAE Kabel zwischen Splitter und FritzBox verbunden.
An die Fritz!Box wird nun das Telefon und das Netzwerk angeschlossen, dann das Netzteil eingesteckt. Die Fritz!Box beginnt nun mit einem mehrminütigen "Leitungstraining"; sobald die "Power" Leuchte nicht mehr blinkt ist sie damit fertig.
Schritt 4: Konfigurieren der Fritz!Box
Zuerst habe ich die Zugangsdaten für das Internet in der Fritz!Box eingetragen. Dazu öffnet man die URL
http://fritz.box im Browser, navigiert zu dem Menüpunkt "Einstellungen / Internet / Zugangsdaten" und wählt unter "Verbindungseinstellungen" aus dem Drop-Down Menü "Anderer Internetanbieter" aus. Unter Benutzername und Kennwort trägt man die oben ermittelten Werte für PPPoE1 Login /Password ein.
Nach einem Klick auf "Übernehmen" sollte man über DSL surfen können.
Etwas aufwändiger ist die Konfiguration des VoIP Zugangs, da hier ein paar mehr Einstellungen erforderlich sind:
- Unter "Einstellungen / Telefonie / Wahlregeln" zuerstmal alles rauswerfen. Ich hatte hier noch eine Billigvorwahl für das Festnetz eingetragen, die das heraustelefonieren per Internet erstmal verhinderte.
- Unter "Einstellungen / Telefonie / Internettelefonie" nun alle Einträge entfernen und einen neuen hinzufügen.
- Auf der entsprechenden Bildschirmmaske haben für mich folgende Einstellungen funktioniert:
- Häkchen setzen bei "Internettelefonie verwenden"
- Internettelefonie Anbieter "anderer Anbieter"
- Internetrufnummer: Die Rufnummer ohne Vorwahl (alte Festnetznummer)
- Benutzername: Ortsvorwahl und Rufnummer zusammen geschrieben mit führender Null wie oben im unter VoIP Login ermittelt
- Kennwort / Kennwortbestätigung: Die Werte wie oben für VoIP Password ermittelt
- Registrar: arcor.de
- Proxy: .sip.arcor.de
- Kein Häkchen bei "Internetrufnummer für Anmeldung verwenden"
- Häkchen bei "Rufnummernformat anpassen" bei den Teilen der Ortsvorwahl, also "0" "6150"
Schritt 5: Test
Sowohl ankommende wie auch gehende Anrufe funktionieren nun über die Fritz!Box. Bingo.