VOIP über ISDN-Kanalbündelung?

Andreas Otto

Neuer User
Mitglied seit
16 Feb 2008
Beiträge
25
Punkte für Reaktionen
0
Punkte
0
Ich habe leider (noch) keinen richtigen Breitbandanschluß, kriege aber demnächst wohl Internet über Kabel-Deutschland.

Kann ich eigentlich, um mal reinzuschnuppern, VOIP auch über ISDN mit Kanalbündelung machen? Die 128 kBit dürften doch für eine Verbindung ausreichen?

Andreas
 
Die 128kbit dürften ausreichen... es reichen sogar schon deutlich geringere Bandbreiten für VoIP aus... jedoch aus dem gleichen Grund, warum selbst die enorm hochbandbreitigen Satellitenverbindungen für VoIP nicht geeignet sind, sind dies auch die ISDN-Kanäle nicht: die Latenz ist zu hoch. Du kannst ja mal die Roundtripzeiten zu einem VoIP-Server irgendwo bei einem Anbieter testen. Die dürften bei Kabel-Internet um die 5-15 ms liegen, bei DSL so bei 10-40 ms und bei ISDN über 40 ms. Ab ca. 50-100 ms Latenz (je nach Codec und Gehör) kann man dies in VoIP-Verbindungen hören und es stellt sich der "Shuttle ruft Houston" Effekt ein ;-)

In diesem Sinne also: da es genügend Gratis-Einstiegsmöglichkeiten per Softphone und PC-to-PC Verbindungen gibt, kannst Du das ja mal testen und berichten, wie so die Erfahrungen sind. Ich warne jedoch vor zu hohen Erwartungen.

--gandalf.
 
Mich interessiert dieses Thema auch, aber aus einem anderen Grund:

Ich möchte meine Rufnummern zu einem VoIP-Provider portieren, und ein- und ausgehend ausschließlich über VoIP mit meinem ADSL-Anschluss telefonieren. Da es sich um einen geschäftlich genutzten Anschluss handelt, ist mir die Erreichbarkeit sehr wichtig. Zwei gebündelte ISDN-Leitungen sollen als Backup dienen. Wenn DSL ausfällt wäre ich dann immer noch erreichbar. In einem solchen Fall könnte man z. B. den GSM-Codec benutzen und würde mit 128 kbit/s 3 bis 4 Gespräche führen können.

Benutzt das jemand und hat Erfahrung damit, oder ist dieses Vorhaben nicht sinnvoll?
 
Hallo,

lass es mich so sagen: Wenn ich für ein Geschäftstelefonat mit der Qualität fürlieb nehmen müsste, hätte sich das mit der Geschäftsverbindung wahrscheinlich schnell erledigt.

Beim momentanen Stand der Technik würde ich für geschäftlich genutzte Anschlüsse niemals aufs Festnetz verzichten. Sowohl DSL als auch VoIP haben keinesfalls die Zuverlässigkeit, die man für eine seriöse Erreichbarkeit benötigt.
 
Man sollte immer auf eine vernünftige Kombination von Technologien bauen und die einzelnen Risiken bewerten.

Sieht man z.B. als das Hauptrisiko den Ausfall des Internetanschlusses, so sollte man sich hierfür eine Backupstrategie zulegen. Beispielsweise kann dies in der manuell einzurichtenden Rufumleitung der VoIP-Nummern auf ein Handy oder einen Festnetzanschluss bestehen. Damit ist das Risiko auf einen Ausfall des VoIP-Anbieters verlagert, den man mit entsprechenden Service-Levels festlegen muss. Vielleicht muss auch prinzipiell ein Parallelruf auf Handy und VoIP-Tk-Anlage erfolgen... oder die VoIP-Tk-Anlage hat auch noch ein Fallback-ISDN und/oder einen GSM-Gateway für den Handy-Fallback-Weg angeschlossen. Vieles ist denkbar und muss bewertet werden.

Man kann durchaus geschäftlich primär auf VoIP setzen, sollte sich dann jedoch auch über die verschiedenen Fallback-Szenarien Gedanken machen und die Begegnung von Risiken genau planen.

Zum Vorschlag der Nutzung von ISDN als Backup für VoIP hatte ich oben schon Stellung bezogen. GSM-Codecs würde ich hier auch nicht für sinnvoll halten. Wenn ISDN schon da ist, dann doch gleich auch per ISDN telefonieren :-) Bei einem Durchschnittspreis von 1,5 ct/min im deutschen Festnetz und 10 Stunden am Tag beläuft sich das Risiko einer Festnetznutzung pro Tag auf EUR 18. Im Monat sind dies ca. EUR 360 plus Grundgebühr. Wenn mein Geschäft so dringend von Erreichbarkeit abhängt, dann ist das ein sehr kleiner Betrag.

Also: klare Anforderungen auf den Tisch und wir können Optionen abwägen und eine sinnvolle Lösung auslegen.

--gandalf.
 
Erstmal vielen Dank für eure Ausführungen.
Sowohl DSL als auch VoIP haben keinesfalls die Zuverlässigkeit, die man für eine seriöse Erreichbarkeit benötigt.
Bei DSL stimme ich dir zu - deshalb suche ich dafür eine Fallback-Lösung. Mit VoIP hingegen habe ich durchwegs positive Erfahrungen gemacht was Sprachqualität und Verfügbarkeit angeht. Meiner Meinung nach steht und fällt der erfolgreiche Einsatz von VoIP mit dem verwendeten Equipment bzw. dem Provider. Aber das ist ein anderes Thema.

oder die VoIP-Tk-Anlage hat auch noch ein Fallback-ISDN und/oder einen GSM-Gateway für den Handy-Fallback-Weg angeschlossen
Vielleicht sollte ich kurz etwas zu meiner Planung und vorhandenen Umgebung sagen:
Ich möchte eine zentrale TK-Anlage von drei Standorten aus nutzen. An diesen Standorten ist jeweils ein ADSL + ISDN-Anschluss vorhanden (bei uns gibts kein DSL ohne Telefonanschluss und ein analoger Anschluss ist nur unwesentlich billiger). Als TK-Anlage wird wahrscheinlich ein Asterisk-Server ins Rechenzentrum gestellt. Deshalb fällt ein ISDN- oder GSM-Gateway in der TK-Anlage flach.

Im Prinzip suche ich nach der einfachsten Lösung die vorhandenen ISDN-Anschlüsse als Backup in diesem Szenario zu nutzen. Als Telefone möchte ich reine SIP-Geräte einsetzen, die ich nicht direkt an die ISDN-Anschlüsse anstecken kann.

Das die Sprachqualität mit dem GSM-Codec abnimmt ist mir klar, aber mein DSL fällt ja nicht ständig aus. Nur ist die Frage, ob die ISDN-Leitung VoIP ermöglicht. Viele Leute scheinen das nicht zu machen. Wenns nicht geht, wars ne schöne Idee aber eben nicht mehr.

schogge
 
In diesem Fall geht es um die Realisierung von Backup-Verbindungen auf IP-Ebene, d.h. ein Router wird ein Fallback auf ISDN-Kanalbündelung durchführen, wenn ADSL ausfallen sollte. Dies ist technisch sicher möglich, es ändert jedoch nichts an meiner Meinung, daß VoIP über ISDN keinen Spaß macht. Teste das Szenario doch mal selbst mit einem Asterisk am einen Ende und einem passenden Router sowie SIP-Telefon am anderen Ende.

Hier wäre unter Qualitätsaspekten eher eine höhere Verfügbarkeit der ADSL-Verbindung per Service Level zu vereinbaren bzw. eine Fallback-Anbindung über einen zweiten Provider zu suchen.

Alternativ dazu gibt es natürlich auch die Option, ISDN über einen kleinen, dezentralen Gateway auf die SIP-Telefone zu leiten, falls jemand die ISDN-Anschlüsse anruft :-) Abgehend kann man sich dann immer noch eine andere Lösung überlegen, sollte es keine Handys geben, auf die im Notfall der zentrale Asterisk bei Netzausfall weiterleiten kann.

Eine derart zentrale Lösung hat Verwundbarkeiten, die bei einer teils dezentralen Asterisk-Lösung nicht bestehen. Hier wäre also das Konzept zu überdenken, ob nicht die SIP-Telefone gegen einen lokalen Registrar mit lokalen Fallback-Optionen (z.B. ISDN, falls die Netzwerkverbindung tot ist) laufen. Man kann die dezentralen Trunks dann immer noch zur zentralen Anlage mit der eigentlichen Terminierung führen bzw. in dieser die Fallbacks via ISDN-Ankopplung verwenden.

--gandalf.
 
@schogge

Ein Astrerisk läßt sich durchaus auf ISDN erweitern. Die nötige Hardware ist halt nicht kostenlos zu haben.

Wenn DSL ausfällt und dieser Ausfall beruht auf einer Leitunsstörung (z.B. Bagger hat die Leitung mal vollständig zerlegt) dann wars das mit ISDN schon lange.

Wenn ISDN ausfällt und dieser Ausfall beruht auf einer Leitungsstörung (z.B. ein Bagger hat einen Draht getrennt, kann DSL durchaus noch unbeeindruckt seinen Dienst tun. Wie war das doch kürzlich? Da hat ein einziger T-Com-Server deutschlandweit das Telefonnetz mehr oder weniger vollständig so beeinträchtigt daß Ferngespräche quer durch die Republik über Stunden verhindert - VoIP-VoIP war nicht betroffen.

Wenn Du Wert auf Erreichbarkeit legst, dann sind 2 technisch völlig unabhängige Dienste zu installieren:
- DSL/ISDN - kabelabhängig
- Handy - unabhängig vom Kabel

Und selbst Handy-Handy kann gelegentlich den Diest einstellen weil irgendeine Überlandleitung den Geist aufgegeben hat.

DSL und ISDN hängen letzutendlich in der häufigsten Störhäufigkeit vom selben Medium - dem Telefonkabel - ab.

Auch die T-Com leitet mittlerweile die Telefongespräche auch von Omas Klappertelefon zwischen Vermittlungsstellen über dieselbe Glasfaser über die auch die Welt tcp/ip spricht. Heißt, auch die Oma, die von VoiP und Internet nichts gehört hat, telefoniert ohne es zu wissen bereits über VoIP, weil die Leitung von ihrer OVN zur nächsten dieselbe ist die auch die WEB-Seiten die ihr Nachbar anschaut, darüber laufen. Analog/ISDN gibts nur noch auf der TAL.


Ich erlebe häufiger daß eingehende ISDN-Gespräche verrauscht oder sonstwie von minderer Qualität sind als die VoIP. Ausgehend geht hier praktisch alles über VoIP raus.


Auf Grund der gesammelten Erfahrung der letzten 4 Jahre werde ich sowohl privat als auch geschäftlich sobald als möglich auf ISDN und analog verzichten und vollständig auf DSL mit Fallback auf Handy setzen. Leider gibt es derzeit noch keinen einzigen VoIP-Anbieter der hier im Landreis Festnetznummern portieren oder auch nur eigene Ortsnetznummern anbieten könnte.
 
gandalf94305 schrieb:
In diesem Fall geht es um die Realisierung von Backup-Verbindungen auf IP-Ebene, d.h. ein Router wird ein Fallback auf ISDN-Kanalbündelung durchführen, wenn ADSL ausfallen sollte
Richtig, so habe ich mir das vorgestellt.

gandalf94305 schrieb:
Teste das Szenario doch mal selbst mit einem Asterisk am einen Ende und einem passenden Router sowie SIP-Telefon am anderen Ende.
Werde ich machen. In einigen englischsprachigen Foren habe ich durchaus Leute gefunden die aus den verschiedensten Gründen VoIP über eine ISDN-IP-Verbindung betreiben und damit sehr zufrieden sind. Durch einen solchen Test mach ich mir demnächst selbst ein Bild davon.

ecsguy schrieb:
Ein Astrerisk läßt sich durchaus auf ISDN erweitern. Die nötige Hardware ist halt nicht kostenlos zu haben.
Da ich meinen Asterisk-Server im Rechenzentrum betreiben möchte, ist das keine Option für mich.

ecsguy schrieb:
Wenn DSL ausfällt und dieser Ausfall beruht auf einer Leitunsstörung (z.B. Bagger hat die Leitung mal vollständig zerlegt) dann wars das mit ISDN schon lange.
Das ist mir klar. 100 % Verfügbarkeit wird es nie geben. Ich versuche mich den 100 % soweit wie möglich anzunähern und dabei die Kosten und den Aufwand im Auge zu behalten.

Sollte ISDN und DSL gleichzeitig ausfallen, ist eine Weiterleitung aufs Handy ohne großen Aufwand zu realisieren.

ecsguy schrieb:
Ich erlebe häufiger daß eingehende ISDN-Gespräche verrauscht oder sonstwie von minderer Qualität sind als die VoIP.
Ich bin zwar auch von der Qualität von VoIP überzeugt, dass die Qualtät aber besser als die von ISDN ist, kann ich aus meiner Erfahrung heraus nicht bestätigen. Ich würde eher sagen VoIP ist mittlerweile etwa gleichwertig.
 
Kostenlos!

Statistik des Forums

Themen
248,876
Beiträge
2,303,716
Mitglieder
378,543
Neuestes Mitglied
Borgphone