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Wechselbad der Gefühle beim diesjährigen Ausblick auf die Telecom Trends 2006

Dieses Thema im Forum "Nachrichten" wurde erstellt von Redaktion, 20 Jan. 2006.

  1. Redaktion

    Redaktion IPPF-Reporter

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    Wechselbad der Gefühle beim diesjährigen Ausblick auf die Telecom Trends 2006
    Verhaltener Optimismus, Besorgnis und Euphorie

    Es war wie die Ruhe vor dem Sturm. Festnetz- und Mobilfunk-Anbieter, Ausrüster und Serviceanbieter bereiten sich mit viel Skepsis auf den sich abzeichnenden Big Bang im TK-Markt vor. Internettechnik untergräbt derzeit die klassischen Anbieterstrukturen und lässt viele Anbieter nervös agieren. Während einige Player, allen voran die Mobilfunker, mit einer Submarkenstrategie für IP-, Netz- und Trend-affine Klientel wenigstens in die richtige Richtung laufen, wirken die neuen Versprechungen mancher Ausrüster, insbesondere die in Richtung IP Multimedia Subsystem (IMS), wie ein Stoßgebet in den Telco-Himmel, Allmighty möge doch bitte den Kunden wieder neuen Glauben geben.

    Ohne Zweifel müssen unterschiedliche Zugangsnetze, IT-Systeme und Applikationen möglichst rasch auf eine einheitliche, integrierende Plattform gebracht werden. Aber wie es scheint, sind es diesmal die innovativen Geschäftsideen und nicht innovative Technologien, die das netzbasierte Business der Zukunft treiben. Und das hat ganz erhebliche Auswirkungen auf liebgewonnene Vertriebsgewohnheiten. Plötzlich verdienen Unternehmen wie Google, Amazon oder Ebay sehr viel Geld mit selbst zusammengestellter Standard-Technik, und besitzen dann auch noch die Stirn, wie Ebay mit Skype in die Reviere der TK-Platzhirsche vorzustoßen.

    Daraus resultierende Unsicherheit, zumindest eine abwartende Haltung schlägt sich sowohl bei den Anbietern, als auch bei den Konsumenten nieder. Was der Branchenverband Bitkom zum Jahresende 2005 verlautbarte, einen insgesamt zuversichtlichen Start der ITK-Industrie in das Jahr 2006 mit einer Wachstumsprognose von 2,4 Prozent, das wurde auf der diesjährigen zehnten Euroforum-Jahrestagung Telecom Trends am 18. und 19. Januar in Düsseldorf vom TK-Marktexperten Torsten J. Gerpott gleich wieder vorsichtig relativiert: „Für 2006 ist aufgrund des anhaltenden Preiswettbewerbs und der Annäherung an Nachfragesättigungsgrenzen in Teilmärkten mit einer Halbierung der Wachstumsrate des Vorjahres (3 %) zu rechnen.

    „Nach der Novelle ist vor der Novelle“ – Regulierung bleibt problematisch

    Wie schwierig die Marktlage ist, beschreib auch Friedhelm Dommermuth von der Bonner Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn (ehemals Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, RegTP). Zwar beziffert seine Behörde den Anstieg der Umsatzerlöse im letzten Jahr um 4 %, muss aber auch einen Absatzschwund bei Festnetz-Verbindungsminuten testieren. Gründe hierfür seien Heavy User, die auf Breitbad gehen und der sich festsetzende Trend, Festnetz- durch Mobilfunk-„Anschlüsse“ zu substituieren. Hinzu komme die starke Tendenz zu Bündel- und Pauschal-Entgelten. Dies stelle außerdem ein Problem für Wettbewerber dar, die im Vorleistungsbereich Miutenabhäng einkaufen müssten, aber nur Flatrates anbieten könnten

    Die anstehenden Regulierungsentscheidungen konnte Dommermuth indessen nur kommentieren: Es müßten, „teilweise unter hohem materiellem Druck“, eine Vielzahl von Einzelinteressen berücksichtigt und ausserdem auf Abstimmung mit EU-Recht eingegangen werden. Dies führe nach wie vor zu Verzögerungen bei der Schaffung eindeutiger Rechtsrahmen. So sei bei Markt 12, Bitstrom-Zugang, die Marktsondierung inzwischen abgeschlossen - jetzt müsse die Behörde prüfen. Ein Abschlusstermin wurde nicht genannt.

    Immerhin sollen die geänderten Zuteilungsregeln für Voice over IP gegen Ende des ersten beziehungsweise gegen Anfang des 2. Quartals 2006 veröffentlichet werden. Und die
    Zusammenschaltung IP-basierter Netze, derzeit würden die Bewertungskriterien entwickelt, soll Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

    Neuer Player „Mango Mobile“

    Einen Beweis dafür, wie attraktiv der TK-Markt für branchenfremde Unternehmen immer noch ist, lieferte in Düsseldorf der US-Handelsriese Walmart. Director Specialty Dirk Massen aus der Walmart Deutschland-Zentrale in Wuppertal stellte auf der Euroforum-Tagung das neue Shop-in-shop-Konzept des Walmart-Partners Facey vor. Facey, eigenen Angaben zufolge derzeit größter GSM-Provider in der Karibik, will hierzulande bis April dieses Jahres alle 88 Superstores der Handelskette mit Handy-Shops aufpeppen. Unter der Marke „Mango Mobile“ sollen dort Handys und in Zukunft auch Mobilfunk- und Festnetzverträge von Fachpersonal verkauft werden. Walmart wolle seine Einkaufsmacht bei den Handyherstellern nutzen und mit Tiefstpreisen an den Markt gehen. Für das Resale-Geschäft fänden derzeit Gespräche mit allen großen hiesigen Netzbetreibern statt. Ergänzt werden solle das Angebot durch spezielle Handy-Stationen für Musik-Downloads oder die Möglichkeit, fehlende Speicherkapazitäten des Handys gleich im benachbarten Laden für Fotozubehör einzukaufen.

    Raschid Karabek, bei BT Deutschland verantwortlich für den Bereich Strategie und Geschäftsentwicklung, gab ein update zu den Fixed/Mobile-Convergence-Produkten „MobileXpress“ und „Fusion“ seines Unternehmens. Fusion-Geräte sind nach wie vor nur in UK beziehbar. Inzwischen sei neben der ursprünglichen Bluetooth- auch eine WLAN-Variante mit guter Batterielaufzeit verfügbar. Als Teil eines Business-Angebots soll Fusion Karabek zufolge „schneller als man meint“ auch hierzulande erhältlich sein. Für den BT-Manager ist die Frage nach dem Erfolg von VoIP bereits beantwortet: IP-Infrastruktur übernehme ohne Zweifel die Regie mit dem mittlerweile unisono erklärten Ziel, eine universelle, konsolidierte Infrastruktur bereitzustellen. Entsprechende Endgeräte, die nicht nur möglichst viele Netze, sondern auch möglichst viele Anwendungen beherrschen würden, seien in vielen Fällen bereits da oder zumindest kurzfristig verfügbar. Was fehle, seien Preismodelle, die neue Nutzerverhalten ermöglichen. Dabei mache es keinen Sinn, die Kreativität der Nutzer herauszufordern, beispielsweise indem sie über einen WLAN-Access im Hotel in Deutschland mittels Skype mit ihren Freunden in Fernost telefonieren.

    IP Multimedia Subsystem (IMS) gilt als neue Wunderwaffe

    Glaubt man den Ausrüstern, bahnt sich in der Telekommunikation keine Konsolidierung, sondern eine Produkt- und Service-Offensive an. Spätestens ab der CeBIT 2006 könnten sich die Konsumenten auf eine Vielzahl neuer integrierter Kommunikationslösungen einstellen. Das Telefonieren auf Handy oder Festnetz werde mehr Zusatznutzen bieten, einfachere Übergänge zwischen den Netzen bieten und nicht zuletzt preiswerter werden. Kaspar Dütting, Marketingspezialist bei Alcatel SEL, setzte in Düsseldorf IMS mit „Bequemlichkeit gegen Geld“ gleich, stellte jedoch klar, dass größere Installationen erst ab 2007 zu erwarten seien. Bis dahin würden einzelne Teilbereiche realisiert.

    Voraussetzung für die neue Dienste-Vielfalt sind Netze, auf denen es keine Rolle spielt, mit welchen Endgeräten man auf die zugreift, wer welche Inhalte einstellt und wann und wo sie der Kunde nutzt. Daß das Internet-Protokoll dahinter steckt, ist klar. IP ist die Grundvoraussetzung dafür, daß Dienste-integrierende digitale Anwendungen möglich sind. Doch es muß noch etwas dazu kommen: das IP Multimedia Subsystem (IMS), eine Infrastruktur, die derzeit nahezu alle Netzbetreiber zusätzlich zur Umstellung auf IP einführen.

    Weil sich die Lage am TK-Markt dramatisch zuspitzt, können die Carrier mit herkömmlichen Services – und die Ausrüster mit herkömmlicher Technik - nichts mehr verdienen, geschweige denn die hohen Wachstumsraten von früher erreichen. Also müssen sie schnell und effektiv neue Dienste aufsetzen, mit denen die Kunden einfacher arbeiten, mehr Zusatznutzen erzielen können und weniger für die Einzeldienste zahlen. Nur damit, so das Kalkül der Anbieter, geben die Kunden unter dem Strich mehr aus, weil sie die preis- und nutzwertigeren Services häufiger in Anspruch nehmen. Detlev Knierim von Cisco ging in seiner Vision der telekommunikativen Zukunft mit IMS noch einen Schritt weiter: Anwendungen wie Backup, Verschlüsselung oder Firewall könnten direkt in die Infrastruktur abwandern, dafür hätten am Frontend andere Applikationen wie RFID, patch updates oder mobile email Platz. Das IMS bringe damit eine neue Architektur für „Service Exchange“. In Zukunft würden beispielsweise Versand-Dokumente selbständig erkennen, in welche Richtungen sie weiterlaufen müssen, je nach aufgesetztem Workflow.

    IP-TV wird als Marktöffner gehandelt

    In der Podiumsdiskussion gegen Ende des zweiten Konferenztages diskutierten Jochen Krauss vom Lastmile-Ausrüster Keymiles, Cisco-Produktmanager Detlev Knierim und Norbert Günther, Vice President Sales Support Fixed Networks bei Alcatel SEL die Chancen und Potentiale von zukünftigen Zugangsnetzen.

    Norbert Günther forderte vor allem Geschwindigkeit: „Das schnelle Netz sollte jetzt endlich mal kommen, die schnellen Anwendungen haben wir, neue, sehr nützliche wie lukrative Applikationen stehen am Start.“ Durch Interaktive TV-Anwendungen erwartet Günther eine „Revolution im Bereich Consumer Electronics“ – allerdings erst, wenn sich auch in Deutschland wieder mehr Mut durchsetze. Dominierende Provider und demzufolge dominierende Technik hätten uns hierzulande in eine gewisse Lethargie versetzt, die jetzt erst langsam aufbreche.

    Jochen Krauss bemängelte, dass auch die Telekom im Zugangsnetz noch nicht komplett multicast-fähig sei. Das Unternehmen baue zwar mit Hochdruck aus, stehe aber mit dem Termin Mitte des Jahres, dem Beginn der Fußball-WM, zu der interaktive Bezahldienste über IP-Netze gelauncht werden sollen, enorm unter Druck. Insofern, so Günther in Richtung Regulierer und die Diskussion um den post-monopolistischen VDSL-Ausbau, wäre ein deutlicheres politisches Signal für höhere Bandbreite wünschenswert gewesen!

    Detlev Knierim empfahl, den IPTV-Nutzer sofort, massiv und intensiv ansprechen. Dieser schlafe hierzulande noch tief und fest. Treiber für breitbandige Netze sei TV auf dem Handy, welches eine ähnliche Entwicklung haben werde wie seinerzeit das Fotohandy: „In 1-2 Jahren werden wir viele Applikationen und größere Displays haben.“

    Insgesamt, da waren sich Referenten wie Teilnehmer einig, werde 2006 das Jahr der Durchbruchs breitbandiger, interaktiver und multimedialer Dienste werden, auf dem Festnetz wie im Mobilfunk. Ob es in diesem Jahr tatsächlich zu einem Big Bang durch neue Anbieter wie Ebay/Skype oder Google kommt, bleibt abzuwarten. Dass aber IP-isierung der Netze und dadurch möglich werdende neue Dienstevielfalt dem Markt ordentlich durcheinander wirbeln und neue Player plötzlich ganz weit oben schwimmen, gilt als sicher.

    Quelle: Pressemitteilung Euroforum