Erfahrungen eines Anfängers mit VoIP und Telefonanlage
na denn man los'
Randbedingungen:
- langjährige Breitbandabstinenz eines "Landeis"
- Euphorie, als endlich eine WAN-Anbindung da war
- abgekühlte Freundschaft zum rosa Riesen
- Spaß an der Technik
- die Idee dass man mit VoIP auch sparen kann
==>> führten zum Entschluß zu VoIPen
Technische Anforderungen:
- Nutzung der bestehenden Infrastuktur (Hauskabelung, Analog-Telefone, 6 Nutzer, Fax)
- ISDN & VoIP Nutzung sollte möglichst automatisch & transparent für die Familie sein
- ein gleitender Übergang von Festnetz zu VoIP sollte möglich sein
- ISDN als Rückfallebene sollte grundsätzlich erhalten bleiben
- VoIP & LCR möglichst optimal kombinierbar
- die Technik idealerweise komfortabel & flexibel konfigurierbar sein
Nach einiger Recherche im Internet (übrigens bin ich recht schnell auf dieses Forum gestoßen, weiß aber nicht mehr woher ...

) habe ich mich
entschlossen nicht anzufangen mit
- lokaler Software auf dem PC (nur am PC nutzbar, umständlich, isolierte Lösung)
- VoIP-Telefonen (zu kompliziert, wenn gleichzeitig ISDN genutzt werden soll)
- ATAs (für die Anzahl der Endgeräte nicht ausreichend)
- eine Fritz o.ä. Anlage (zu wenig Endgeräte anschliessbar)
Außerdem gehört der Router fest zum Paket des WAN-Providers und ich habe keine Lust auf Routerketten ...
Zufällig habe ich die Beschreibung der Auerswald COMpact VoIP 5010 gefunden. War etwas skeptisch, weil die Anlage erst seit Juni auf dem Markt ist.
Andererseits läuft sie unter Linux, wird von einer hiesigen Firma hergestellt und vertrieben, das war (und ist) mir sehr sympathisch.
Der Vorteil der Anlage ist aus meiner Sicht:
- ich kann die bestehende Infrastruktur nutzen
- muß sonst keine weiteren Geräte zu kaufen
- im Vergleich zu mehreren Telefonen ist die Anlage auch preiswert (entspricht 3 Mittelklasse VoIP-Telefonen)
- ich habe bereits Erfahrungen mit der Konfiguration von Telefonanlagen (Agfeo ISDN)
- sie läuft unter Linux (hab' ich das schon erwähnt

Konfiguration der Anlage
- die Anlage ist sehr vielseitig und flexibel, es ist aber notwendig, dass man sich intensiv mit ihr befasst.
- die Konfiguration ist weniger Window's like intuitiv als technisch orientiert, dass Verständnis muß man sich erarbeiten. Ich schätze den Aufwand zur Konfiguration auf 8-10 Stunden ein.
- es gibt durchaus die Möglichkeit einer Fehlkonfiguration, ich habe eine Zeit gebraucht um das zu erreichen, was ich wollte
Was wirklich super ist:
- ISDN mit LCR und VoIP gehen eine Synthese ein
- Ich habe z.B. eine VoIP-Flatrate mir LCR für Handy's kombiniert
- und lasse eingehende Anrufe weiter über ISDN kommen
- Zuteilung von Ruf-Nummern eingehend und abgehend sind sehr abgestuft machbar
Um es klar zu sagen:
die Anlage ist nix für den kleinen Haushalt, wenn man aber eine größere Familie (oder auch einen kleine Betrieb) bedienen will: erste Sahne
Die Konfiguration von ISDN ist Standard, wenn man schon mal eine solche Anlage gehabt hat, nicht Neues.
Die VoIP-Einstellung muß man lernen; es ist wahrscheinlich einfacher, wenn man schon VoIP Erfahrungen hat. Ich hab' gleichzeitig mit der Anlage und VoIP angefangen.
Grundsätzlich habe ich jetzt
5 Provider konfiguriert. Im ersten Ansatz konnte ich nur alternierend zwischen den Anbietern umschalten (den sogenannten Vorzugs-Account). Jetzt taste ich mich an soganannte "Ausnahmerufnummern" heran. Damit kann ich bestimmte Nummernkreise einzelnen VoIP-Anbietern zuweisen.
Ich habe mir über die Hinweise im Forum mehrere Provider angeschaut, TerraSip hat z.B. recht gute Handy-Preise.
Die CbC-Anbieter, welche ich über LCR nutzen kann, wechseln bekannterweise recht häufig die Tarife .. d.h. für eine optimale Nutzung muß ich eigentlich täglich die LCR-Tabellen erneuern ...
Und wer hält das schon längere Zeit durch.
So kann ein Anbieter, der durchschnittlich aber konstant niedrige Preise anbietet, schon eine gute Alternative sein. So kam ich auch auf Terrasip. Das ist aber gleichzeitig auch eine Anekdote für sich
Zur Konfiguration von VoIP:
hier habe ich sowohl mit den Anfängerproblemen von VoIP gekämpft (was, zum Teufel sind Stun, NAT, wofür braucht man noch einen Proxy) Da habe ich sehr vom Wiki hier im Forum und besonders von einigen Links profitiert. Meinen Dank und ausgesprochenes Lob an die vielen, engagierten Autoren !! :dance:
Im nachhinein rate ich jedem Anfänger mit einem Provider zu starten, der
"sicher" ist. Zufällig habe ich mit
Bellshare begonnen. Bellshare und die Ackermann vertragen sich sehr gut.
(Das ist übrigens ernst gemeint:
die Ackermann verträgt sich nicht mit allen Anbietern. Ich vermute, dass ist aber mit vielen Endgeräten so). Bei vielen Problemen mit VoIP liegt's bestimmt häufig an der Kombination vieler Faktoren.
Wichtig ist anfangs auch eine
gute Nutzerführung auf den Webseiten der Provider. Die übersichtlichste bietet m.E. Sipgate an. Selbst wenn man keine Kunde ist kann man dort etwas lernen ...
Bellshare ist auch sehr gut. So habe ich es in einem knappen Tag geschafft sowohl abgehende als auch eingehende Anrufe zum Klingeln zu bringen.
Bei Schwierigkeiten mit einem Anbieter verwendete ich die Einstellmöglichkeiten von Bellshare und Sipgate Referenz, auch weil ich dort schnell mal etwas ausprobieren konnte.
Licht & Schatten:
Grundsätzlich hatte ich mehr Probleme eingehende als ausgehende Anrufe zu konfigurieren. Das lag aber z.T. auch an der Telefonanlage. Die Ackermann bietet hier fast schon kleine Konfigurations-Labyrinte an. Wenn man es aber einmal verstanden hat, geht's. (Wenn jemand dazu Unterstützung braucht, gerne eine Mail, soweit ich es selbst schon kann helfe ich gerne).
Die ersten
echten Probleme bekam ich mit
Carpo. Mal konnte ich nicht telefonieren, mal nicht angerufen werden. Momentan gehen keine eingehenden Anrufe man hört nur eine tote Leitung :shock:
Im Forum wurde auch darüber berichtet. Betateilchen hat eine für mich plausible Erklärung geschrieben, es hängt wohl damit zusammen, wie Carpo mit dem Protokoll umgeht; die Software-Anlage Asterix kann damit umgehen die Ackermann eher nicht.
EINSCHUB: hätte ich mir zu Beginn die Info's über die Asterix angesehen
und hätte ich etwas mehr Zeit, wär's vielleicht keine Ackermann geworden :roll: Nachdem was ich jetzt darüber glelesen habe: ein verdammt gute Alternative ...
Es ist sehr schade das eingehende Anrufe bei mir nicht stabil funktionieren, weil Carpo bisher der einzige Anbieter ist (den ich kenne), bei dem ich eine Ortsnetzruf-Nr. ohne Portierung und größere Kosten erhalten kann :heul:
Der nächste Provider war
dus.net Die Konditionen sind auch recht gut (dort gibt's z.B. auch Tarife m. sekundengenauer Abrechnung), Webseiten sehr professionell gemacht. Die Berichteim Forum waren sehr positiv. Bei keinem Anbiete konnte ich eingehenden Anrufe so schnell konfigurieren wie bei dus.net. Super. Jetzt kommt aber die Träne: zusammen mit der Auerswald funktionieren keine abgehenden Anrufe. Hat mich viele Stunden gekosten. Und hat mich eine Stunde Telefonat mit dem Support von Auerwald gekostet (0,69 C/m). Danach hat mich der Support nochmal eine Stunden angerufen. Auerswald hat nun eine Anlage an dus.net geschickt, die Techniker versuchen das Problem zu finden. Übrigens finde ich es in Ordnung, wenn der Support Geld kostet. Auch wenn es mich selbst schmerzt. Aber irgendwie müssen personalintensive Arbeiten ja finanziert werden. Sehr gut finde ich, dass dus.net eine kleines Budget (0,45¤) zum Testen anbietet; dus.net steht bei mir also auf Hold
Nun kam
Sipgate: ich muß zugeben, es ging sehr schnell; die Bedienung ist sehr logisch und gut strukturiert.
Es funktioniert einfach 
. Bei Sipgate gibt's zum Testen Gutscheine (Tarif111), damit kann man schon sehr ausgiebig testen. Bei den meisten Providern muss man entweder einen Tarif abschliessen oder ein Prepaid-Guthaben aufladen (meist ab 10¤ ). Sipgate ist für mich eine Art Referenz.
Der letzte Provider, den ich versucht habe anzuschliessen, war
TerraSip. TerraSip hat die niedrigsten Preise für Anrufe auf Handys (die ich in dieser Vielfalt von Anbietern gefunden habe). Momentan betrachte ich Terrasip aber mehr als eine Anektdote .... nu' hab' ich 10 ¤ Guthaben gekauft, und weiß nicht was ich davon halten soll. Zunächst möchte TerraSip immer die Länder+Ortsnetzvorwahl ohne führende Null vor der Rufnummer haben. Hab's nicht geschafft der Auerswald das beizubringen. Dann hab' ich zum Glück auf den Seiten die "Wählregeln gefunden", dort konnte ich die Verwendung von Nullen wieder reinkonfigurieren. Allerdings muß ich nun Ortsnetznummern - wie beim Handy - immer mit Vorwahl wählen. Verwende ich gleichzeitig CbC oder andere Provider kann ich meiner Familie eine Liste neben jedes Telefon legen, wann eine Vorwahl kommt, wann nicht ... kommt nicht gut.
Fast schon witzig ist das Feature der "Geisterwahl". Hab' über TerraSip meine Tochter angerufen, war besetzt. Ruf' sie drei Minuten später über Sipgate an, wir sprechen miteinander, da klingelt bei Ihr auf der zweiten Leitung das Telefon. Ist aber niemand dran, als sie abhebt. Na ? Ein paar Sekunden später war dieser Anruf auf dem Einzelverbindungsnachweis von TerraSip zu finden, ich hatte zwar aufgelegt, als besetzt war, TerraSip hat die Verbindung halt ein paar Minuten später aufgebaut .... echt cool :ziggi: Schade, wäre interessant gewesen ...
Resumee
- die Auerswald ist eine gute Entscheidung, sehr flexibel einzusetzen
- man muß wissen, dass nicht jeder Provider kompatibel ist
- die Transferrate ist wichtig. Mit 128 Kbit Upload hatte ich Probleme. Testweise habe ich jetzt 256 Kbit, das läuft störungsfrei
- VoIP und LCR sollten kombiniert werden, erhöht die Flexibilität
- wichtiger als ein guter Preis ist für mich die Verlässlichkeit eines Providers
- daher konzentriere ich mich erst mal auf Bellshare & Sipgate ...
- man sollte sich ausreichend Zeit nehmen und alles ausprobieren bevor man umsteigt
- wenn man alles gut plant (auch mit Hilfe v. IPPF), kann man sicher Geld sparen ..
- und man sollte Spaß an Technik haben, VoIP hat ein bißchen etwas von einer Märklin
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Update, 03.10.07 (letzter Stand war 17.08.07)
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Nachdem ich die Auerswald nun knapp 2 Monate benutze, ist meine anfängliche Begeisterung sehr zurückgegangen:
- in unregelmäßigen Abständen sind über meinen Haupt-VoIP Account keine abgehenden Telefonate mehr möglich
- es gibt einen Workaround mit umständlicher Bedienung (identischen Account unter anderem Namen einstellen)
- der Support gibt inzwischen immerhin schon Speicherprobleme zu
- Festnetz geht als Rückfallebene, die Umstellung erfolgt aber sehr umständlich manuell
- es gibt noch keine Lösung zum Problem mit dus.net
zu den Providern:
- Bellshare ist immer noch die erste Wahl, einfach zu konfigurieren & robust
- leider habe ich noch keinen Provider gefunden, bei dem eingehende Anrufe mit einer Ortsnetz-Rufnummer funktionieren (Beispiel: Carpo-Threads)
- BlueSip funktioniert bei mir genauso wenig wie dus.net
Da die Probleme größtenteils an der Auerswald liegen, inzwischen regelmäßig auftreten und keine echte Lösung in Sicht ist, habe ich begonnen, mich mit Asterisk zu befassen.
Ich glaube, Asterisk ist sehr "mächtig"

Das, was zwei Forumsmitglieder in Ihren Büchen schreiben, zeigt mir: damit ist alles möglich was denkbar ist (und bei meiner Anlage fehlt ...)
Hab' mir in der Bucht jetzt zwei ISDN-Karten ersteigert, werde diese in meinem Linux-System einbauen, Asterisk installieren und starten ...
Das Ganze teste ich zunächst parallel zur Auerswald. Da die Konfiguration von Asterisk nicht trivial ist, gebe ich mir zwei Monate Übergangszeit. Wenn's gut läuft werde ich einen dieser kleinen lautlosen Mini-PC beschaffen (wegen WAF

)