Gesamtkonzept + WLAN oder DECT?

tsc

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Hallo,

ich hatte mich ja letzens schonal über DECT-Telefone informiert (1). Ziel ist es bei uns in der Firma eine neue TK-Anlage aufzubauen. Diese soll nach außen hin 4 ISDN-Anlagenanschlüsse (quadBRI von Junghanns) bekommen und 2MBIT SDSL. Als PBX wollte ich Asterisk einsetzen. Nach innen sollen 3 Festnetztelefone (snom360) und 10 Mobilteile angeschlossen werden.
Unsere Halle ist circa 40 x 50 m groß und hat in der Mitte die Verwaltung welche durch Glasscheiben von der Produktion abgetrennt ist und 3 Etagen hat (Die Produktion hat nur eine durchgehende).

Jetzt Frage ich mich wie die Mobiltelefone angeschlossen werden sollen da diese in der gesamten Halle erreichbar sein sollten?

DECT als Einzellösung wie bei dem SIEMENS C450 IP (2) wird wohl nicht für die gesamte Halle reichen?
Lässt DECT mit mehreren Gateways wie zB dem IP1200 (3) nahtlos in Asterisk integrieren?
Für WLAN gibt es ja noch kein Standard für Telefonie. Auch mit Endgeräten die WPA und nicht nur WEP können sieht es ehr schlecht aus. Würde denn ein WLAN AP eventuell für unsere Halle ausreichen? Oder müsste man diesen mittels WDS erweitern (natürlich auch WPA verschlüsselt) und wie schaut es dann mit der Sprachqualität aus?

Fragen über Fragen und ich weiss im Moment nicht richtig weiter.

Danke

(1) http://www.ip-phone-forum.de/showthread.php?t=106687
(2) http://gigaset.siemens.com/shc/0,1935,de_de_0_122378_rArNrNrNrN,00.html
(3) http://www.innovaphone.com/index.php?id=36&L=1
 
tsc schrieb:
Lässt DECT mit mehreren Gateways wie zB dem IP1200 (3) nahtlos in Asterisk integrieren?

Die IP1200 wird als "vollkommen H.323 kompatibel" bezeichnet, aber Asterisk mit H.323 ist nicht unproblematisch. Die Mobilteile der gleichen Firma werden als "Besonders geeignet" bezeichnet, woraus man nicht schliessen kann, dass andere überhaupt geeignet sind.

Eine Alternative wäre, die DECT Basisstation über ISDN anzubinden. Leider weiss ich momentan kein geeignetes Produkt.

tsc schrieb:
Für WLAN gibt es ja noch kein Standard für Telefonie. Auch mit Endgeräten die WPA und nicht nur WEP können sieht es ehr schlecht aus. Würde denn ein WLAN AP eventuell für unsere Halle ausreichen? Oder müsste man diesen mittels WDS erweitern (natürlich auch WPA verschlüsselt) und wie schaut es dann mit der Sprachqualität aus?

Standards gibt es schon - sowohl für WLAN als auch für die Telefonie (über IP über WLAN).

Ein Access Point wird nicht reichen. In einer komplett leeren Halle ohne irgendwelche Störquellen könnte das funktionieren. Ich weiss nicht, was in der Halle produziert wird, aber sicherlich werdet ihr nicht die gesammte Produktion herunterfahren, nur damit jemand telefonieren kann ;-)

Mit Verschlüsselung (auch wenn es nur WEP ist) und Roaming sieht es gar nicht gut aus.

Sprachqualität hängt von der Situation des WLAN ab. Auf jeden Fall sollten ausschliesslich Telefone und nicht auch noch PC dieses WLAN nutzen. Trotzdem ist mit Paketverlusten und entsprechenden Störungen zu rechnen.

Zusammenfassend: Im eigenen Wohnzimmer mag Telefonie über WLAN gut funktionieren, aber in einer Produktionshalle besser DECT verwenden.

Stefan
 
tsc schrieb:
Jetzt Frage ich mich wie die Mobiltelefone angeschlossen werden sollen da diese in der gesamten Halle erreichbar sein sollten?

Das kann je nach Halleninhalt ggf. nur ein DECT-Funknetzwerk.

tsc schrieb:
DECT als Einzellösung wie bei dem SIEMENS C450 IP (2) wird wohl nicht für die gesamte Halle reichen?

Der Übertragungsstandard ist zwar DECT, die optimale Nutzung des Standards ist ein solches stand-alone-Gerät jedoch nicht. Wenn DECT, dann benötigst Du nen System, welches mittels einer oder mehrerer Basisstationen (auch je nach Halleninhalt) eine dynamische Lastverteilung der Funkverbindung je nach Standort der Mobilgeräte macht.

tsc schrieb:
Lässt DECT mit mehreren Gateways wie zB dem IP1200 (3) nahtlos in Asterisk integrieren?

Ja! Ich habe bei Kunden ein Kirk IP600/3 (Innovaphone nutzt Kirk als OEM) als Multicell-Lösung in Betrieb, Anschaltung per chan_sccp ohne Probleme, keinerlei Verkabelung notwendig.

Bei einem anderen Kunden habe ich per 2xS0 ein DeTeWe DECT-System in Betrieb genommen. Bis auf die Beschränkung durch die max. 4B-Kanäle keine Probleme.

tsc schrieb:
Für WLAN gibt es ja noch kein Standard für Telefonie. Auch mit Endgeräten die WPA und nicht nur WEP können sieht es ehr schlecht aus. Würde denn ein WLAN AP eventuell für unsere Halle ausreichen? Oder müsste man diesen mittels WDS erweitern (natürlich auch WPA verschlüsselt) und wie schaut es dann mit der Sprachqualität aus?

IMHO sind WLAN-Telefone im Moment (! langfristig tut sich da was!) für den gewerblichen Einsatz überhaupt nicht geeignet. Schau Dir doch mal Standby-Zeiten der verfügbaren Geräte an. Willste alle 2h neu laden müssen? Verschlüsselung ist ein Thema, stimmt.

Verglichen mit ner DECT-Systemlösung ist die WLAN-Qualität beim Roaming (so es denn funktioniert) und je nach Art der zu versorgenden Fläche (versuchs mal in einer Lagerhalle...) eine Katastrophe bei der Telefonie.

Im Moment setze ich bei meinen Kunden noch auf DECT over IP/S0.

Kostenmäßig kommst Du immer besser weg; vernünftige WLAN-Telefone und Access Points mit "richtigen" Sicherheitsfeatures, Load Balancing, Intrusion Detection usw. (z.B. Cisco, Nortel Networks) sind hundeteuer, und für den "kleinen Einsatz" völliger Overkill.

Gruß

foschi
 
Persönlich würde ich definitiv WLAN einer DECT-Lösung aufgrund der EM-Immissionen vorziehen, vor allem wenn es sich um einen Bereich handelt, in dem man sich über eine signifikante Zeit dauernd aufhält.

Wie jedoch foschi schon sagte, sind WLAN-Telefone für den kommerziellen Einsatz noch nicht so richtig bereit, so daß ggf. doch eine DECT-Infrastruktur zum Einsatz kommen muß.

Hier wäre auch die Frage zu stellen, ob wirklich mobile Endgeräte notwendig sind oder vielleicht eher eine Reihe von leitungsgebundenen ausreichen. Das hängt vor allem auch von der Art der Produktion ab (Maschinen haben ihre eigenen EM-Felder und stören WLAN ggf. heftig).

Ein Bekannter von mir hat bei einem Unternehmen mit Büro- (ein Gebäude) und Produktionsbereich (drei Hallen) letztendlich eine Telefonielösung mit einer großen Zahl von Festtelefonen installiert, da gerade Pressmaschinen und Schweißanlagen WLAN definitiv, jedoch auch DECT stören. Die Lösung war damit immer noch recht kostengünstig...

--gandalf.
 
Ich stimme Gandalf zu, möchte aber darauf hinweisen, daß ein DECT-Funknetzwerk mit seiner Strahlungsleistung sowohl für den Intensiv-Bereich in Krankenhäusern zugelassen ist als auch in Sachen Sendeleistung um Meilen unter der von GSM-Geräten liegt; und wir bewegen uns alle permanent innerhalb eines GSM-Funkfeldes, welches dazu noch intensiviert wird durch die Anzahl Mobiltelefone die wir mit uns herumtragen/die in Büroumgebungen vorhanden sind.

Aber das soll keine Diskussion pro/contra Funkfelder werden.

Mir ist noch eingefallen, daß man ebenso GSM-Geräte (mit dem entsprechend tarifierten Vertrag und Gateway) als mobile Handgeräte/Extensions in Asterisk einbinden kann.

foschi
 
Hallo,

Danke für eure Erfahrungen und Meinungen. Habe es auch praktisch mitbekommen dass WLAN für den produktiven Einsatz noch nicht bereit ist.

Habe mit Innovaphoen telefoniert und diese meinte das neben H.323 auch SIP unterstützt wird. Somit wäre eine Anbindung also möglich. Allerdings möchte ich kein teures DECT-Netz aufbauen, welches dann in 3 Jahren durch WLAN ersetzt wird. Auch ist hier wie gesagt die Strahlung nicht zu Unterschätzen. Wie verhält es sich denn da mit einem Telefon mit 1000m [1] Reichweite? Schmilzt da mein Gehirn?

Der Aufbau von Festnetztelefonen wäre auch eine Lösung. Und dazu ergänzend die Einbindung mittels GSM wie foschi sagte. Da gibt es ja auch "virtuelle Netze" in denen die Teilnehmer untereinander günstig telefonieren.

Werde die einzelnen Möglichkeiten mal genauer prüfen und dann bescheid geben für welche ich mich entschieden habe.

Danke, Tobias

[1] http://www.detewe.de/rde/xchg/detewe/hs.xsl/de-4433.htm
 
tsc schrieb:
Danke für eure Erfahrungen und Meinungen. Habe es auch praktisch mitbekommen dass WLAN für den produktiven Einsatz noch nicht bereit ist.

Das ist *so* nicht richtig. Besonders preisgünstige WLAN-Lösungen sind noch nicht produktiv einsetzbar, Lösungen von Cisco, Nortel oder auch Meru/Hitachi sind es schon; allerdings kosten die ne gute Stange Geld.

tsc schrieb:
Habe mit Innovaphoen telefoniert und diese meinte das neben H.323 auch SIP unterstützt wird. Somit wäre eine Anbindung also möglich.

SIP kannste im Moment bei Kirk/Innovaphone dankend vergessen, da geht nur "Geradeaus-Telefonie". Skinny ist hier das bessere Protokoll (H.323 mit Asterisk macht nicht wirklich Spaß).

tsc schrieb:
Allerdings möchte ich kein teures DECT-Netz aufbauen, welches dann in 3 Jahren durch WLAN ersetzt wird. Auch ist hier wie gesagt die Strahlung nicht zu Unterschätzen. Wie verhält es sich denn da mit einem Telefon mit 1000m [1] Reichweite? Schmilzt da mein Gehirn?

Ein DECT-Netz wird einem WLAN-Netz immer überlegen sein (siehe oben); außerdem kannst Du mit relativ wenig Geld (verglichen mit WLAN; z.B. mit gebrauchten neuwertigen Komponenten) ein DECT-Netz realisieren.

In 3 Jahren tut sich im Bereich WLAN extrem viel; DECT war da bisher immer stabil.

Zum DeTeWe-Endgerät: wenn Du mal richtig liest, steht dort "normale DECT-Sendeleistung" (muß wg. Zulassung+Einhaltung des Standards sein). Das Gerät kann mit Antennen-Diversity etwas besser als ein normales DECT-Tel sein, jedoch halte ich alle aufgeführten Reichweitenangaben für Schönfärberei.

foschi
 
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