Ganz klar sehe auch ich das Problem des fehlenden T.38 bei der Telekom und vielen anderen Netzbetreibern. Wäre der Standard vorhanden, wäre das Faxen über IP wesentlich problemloser.
Ich habe den Eindruck, das das Problem durch stabilere Netze geringer wird. Selber habe ich, seit ich stabiles VDSL habe, keinen Unterschied mehr mit/ohne T.38 sehen können (und zwar vom Epson-Multifunktionsgerät aus, ohne Begrenzung der Baudrate meinerseits). Früher, mit den wackeligen DSL-Zugängen, war es ohne T.38 dagegen ein Abenteuer, und es fehlten meist ein paar Zeilen.
Fax ist und bleibt ein praktisches Medium, um schnell und einfach Dokumente auszutauschen. Die Akzeptanz des Mediums ist nach wie vor sehr hoch, insbesondere Behörden, Steuerberater, Ärzte, Rechtsanwälte und auch Handwerker ziehen das Fax einer E-Mail in den meisten Fällen vor. Der Bedarf für Fax ist weiterhin da, ob man es will oder nicht.
Das ist auch meine Erfahrung, speziell mit Ärzten und Handwerkern. Wobei die Motive nicht immer dieselben sind.
Zum Austausch von Informationen zwischen Arztpraxen ist Fax nach wie vor das Medium Nummer eins; das beruht teils auf Gewohnheit, teils auf Mangel an Alternativen (die Faxnummern anderer Ärzte sind stets greifbar, sichere E-Mail-Adressen nicht unbedingt), teils aus Glauben an die Datensicherheit von Fax (andererseits: wenn Faxe bei einem Fax-2-Mail-Service abgewickelt werde, sind sie ja in Wahrheit genauso "unsicher" wie E-Mails).
Bei vielen Handwerkern (sogar jüngeren) sehe ich eher das fehlende Verständnis für "neumodisches Zeugs" (es sei denn, es sind Handwerker aus dem Bereich Elektrik/Kommunikationstechnik). Da spielt die Gewohnheit also die Hauptrolle.
Insgesamt fehlt es an Alternativen, die ähnlich einfach nutzbar sind und eine ähnlich hohe gefühlte Datensicherheit besitzen wie Faxe. Ein Blatt bei Bedarf einscannen und als PDF verschicken, erfordert geeignete Software und/oder etwas Sachverstand. Da existieren einzelne Lösungen, aber kein so allgemein üblicher Standard wie Fax. Und um die Übertragung wirklich sicher zu kriegen (Stichwort Arztgeheimnis/Anwaltsgeheimnis), müsste man wohl ein Verfahren mit Verschlüsselung verwenden - was derzeit noch fast niemand tut, weil die Einrichtung nicht tauglich für Laien ist.
Beim Besuch diverser Betriebe ist mir auch klar geworden: Wir "Technikfreaks" können uns das kaum noch vorstellen, wie akten- und papierintensiv die Büroarbeit in vielen Betrieben immer noch abläuft - bis hin zu dem Extrembeispiel einer mittelständischen Firma, wo alle E-Mails ausgedruckt (!) und dann dem Chef vorgelegt werden. Wenn im Büro quasi alles in Papierform vorliegt, ist natürlich Fax ein sehr praktisches Instrument - und E-Mail erscheint als umständlicher Umweg.
Dass man E-Mails per IMAP und im Hintergrund laufendem Mailprogramm quasi in Echtzeit bekommt, haben auch noch längst nicht alle Firmeninhaber rausbekommen; teilweise muss man denen ein Fax hinterherschicken: "Schaut doch bitte mal in Euren E-Mail-Account!".

Für die ist Fax das Echtzeitmedium, hingegen E-Mail nur für Sachen, die nicht eilig sind.