Docheinen schrieb:
Hallo Dirk, ja dass es erst jetzt vermarktet wird bzw. dir nötige Hardware kostengünstig zu erwerben ist leuchtet mir ein, die technischen Vorraussetzungen sind doch bereits seit langem Verfügbar, oder ?
NEIN, das sind sie nicht. Dass es 100-MBit-Netzwerke schon seit Jahren gibt, heißt nicht zwangsläufig, dass darüber auch telefoniert werden kann.
Netzwerke arbeiten
paketorientiert, d.h. der Datenstrom wird in kleine Pakete aufgeteilt und jedes mit einer Zieladresse versehen. Bei reinem Datenverkehr dürfen diese auch gerne mal asynchron laufen, d.h. verschiedene Wege nehmen oder sogar deutlich (um mehrere hundert Millisekunden) zeitversetzt ankommen - erst am Ziel werden aus den vielen kleinen Paketen die Daten wieder so zusammengesetzt, wie sie abgeschickt wurden.
Der Telefonieverkehr arbeitet seit jeher
leitungsorientiert, d.h. für die Dauer einer Verbindung steht eine Leitung exklusiv zur Verfügung. Der Datenstrom (ob digital oder analog ist wurscht) nimmt immer nur den einen Weg und er ist praktisch vollkommen synchron.
Um jetzt zuverlässig auch über eine paketorientierte Verbindung z.B. ein Telefongespräch führen zu können, muss gewährleistet sein, dass die Datenpakete zumindest einigermaßen synchron (hier dürfen nur ein paar Millisekunden Verzögerung sein) läuft. Diese Gewährleistung ist erst seit kurzem durch einige besondere Maßnahmen gegeben, z.B. durch einen garantierten QoS. Und diese Maßnahmen sind in den bekannten VoIP-Protokollen (u.a. H.323) gegeben.
Warum sich VoIP bislang noch nicht durchgesetzt hat, ist mehr eine marketingtechnische Frage: Im internen Bereich existierte die Telefonie-Infrastruktur seit langem, danach kam die Daten-Netzwerkstruktur, und erst jetzt - meist bei Bedarf einer Modernisierung - gibt es Bestrebungen, ein und dasselbe Netz diensteintegriert zu verwenden. Und extern gesehen setzt das Ganze auf Breitbandverbindungen mit halbwegs großer Bandbreite
und auf einigermaßen attraktive Angebote der Internet-Telefonieanbieter auf.
Gruss,
Hendrik