VoIP: Unterschied zwischen H.323 und SIP

Docheinen

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Hallo, worin bestehen die genauen unterschiede zwischen H.323 und SIP, ich weiß dass H.323 aus der TK Welt stammt, aus mehreren unterprotokollen besteht und SIP auf einem Internet Protocoll aufgebaut ist.

Und ich würde gerne wissen warum erst jetzt VoIP genutzt wird, 100m/bit Netzwerke gibt es doch schon seit mehreren Jahren, die es eigentlich ermöglichen VoIP gespräche zu führen ?
 
Das VoIP "erst jetzt" kommt, hängt damit zusammen dass es jetzt zum einen kostengünstig die nötige Hardware gibt (Stichwort Massenmarkt) und dass eben dieser Massenmarkt sich günstige Flatrates leisten kann.
 
Hallo Dirk, ja dass es erst jetzt vermarktet wird bzw. dir nötige Hardware kostengünstig zu erwerben ist leuchtet mir ein, die technischen Vorraussetzungen sind doch bereits seit langem Verfügbar, oder ? Ich meine VoIP muß ja nicht übers Inet genutzt werden,bzw. in einem Ethernet 100m/bit Netzwerk habe ich doch schon die nötige Bandbreite, klar fürs Internet is ne Flat angebracht. Und ein 100er Netzwerk gibts doch schon seit x jahren oder ? Also warum erst jetzt VoIP ?
 
Docheinen schrieb:
Hallo, worin bestehen die genauen unterschiede zwischen H.323 und SIP, ich weiß dass H.323 aus der TK Welt stammt, aus mehreren unterprotokollen besteht und SIP auf einem Internet Protocoll aufgebaut ist.

Schau doch mal zu diesen Themen in die Wikipedia: http://de.wikipedia.org

--gandalf.
 
Wiki hab ich schon durch, deswegen bin ich hier ins Forum in der Hoffnung dass jmd. ne Verständlichere darstellungsweise anbieten kann.
 
Das ist mir leider auch aufgefallen, beschäftige mich schon ein bissl länger damit und immernoch unwissend, kurz und knapp, warum löst SIP H.323 ab, nur weil soviele Unterprotokolle und Codecs im H.323 integriert sind, hat dies einen Einfluss auf die Daten bzw. wird durch h.323 MEHR Traffic erzeugt ? Durch SIP nicht ?

Und was mich am meisten interessiert warum VoIP erst jetzt - Ich meine die Technik, bietet doch schon länger die technischen Vorraussetzungen oda ?
 
Innerhalb einer Firma zu telefonieren heisst ja nur: Eine Telefonanlage zu haben. Die gibt es schon länger. also ist das nicht der Punkt.
Entscheidend ist doch die Verfügbarkeit an Hochgeschwindigkeits-Internetanschlüssen, damit die Gespräche nach aussen kostenlos/kostensparend per Internet abgewickelt werden können. Dies ist erst jetzt gegeben. Und damit auch die entwicklung kleiner VoIP-Adapter, die Otto Normalo auch zuhause betreiben kann.
Hör Dich doch einmal um: Es gibt noch immer die Meinung: zum Internet-Telefonieren muss der rechner an sein und ich kann nicht mit meiner Omi telefonieren, da die ja kein Internet hat. Und früher war das so ja auch richtig.
Zu Deutsch: Die Zeit (und die Technik) war noch nicht reif für Internet-Telefoniererei. Da haben es nur ein paar Freaks betrieben. Und nun: Nun sind wir alle diese Freaks ;)
 
Docheinen schrieb:
Hallo Dirk, ja dass es erst jetzt vermarktet wird bzw. dir nötige Hardware kostengünstig zu erwerben ist leuchtet mir ein, die technischen Vorraussetzungen sind doch bereits seit langem Verfügbar, oder ?

NEIN, das sind sie nicht. Dass es 100-MBit-Netzwerke schon seit Jahren gibt, heißt nicht zwangsläufig, dass darüber auch telefoniert werden kann.

Netzwerke arbeiten paketorientiert, d.h. der Datenstrom wird in kleine Pakete aufgeteilt und jedes mit einer Zieladresse versehen. Bei reinem Datenverkehr dürfen diese auch gerne mal asynchron laufen, d.h. verschiedene Wege nehmen oder sogar deutlich (um mehrere hundert Millisekunden) zeitversetzt ankommen - erst am Ziel werden aus den vielen kleinen Paketen die Daten wieder so zusammengesetzt, wie sie abgeschickt wurden.

Der Telefonieverkehr arbeitet seit jeher leitungsorientiert, d.h. für die Dauer einer Verbindung steht eine Leitung exklusiv zur Verfügung. Der Datenstrom (ob digital oder analog ist wurscht) nimmt immer nur den einen Weg und er ist praktisch vollkommen synchron.

Um jetzt zuverlässig auch über eine paketorientierte Verbindung z.B. ein Telefongespräch führen zu können, muss gewährleistet sein, dass die Datenpakete zumindest einigermaßen synchron (hier dürfen nur ein paar Millisekunden Verzögerung sein) läuft. Diese Gewährleistung ist erst seit kurzem durch einige besondere Maßnahmen gegeben, z.B. durch einen garantierten QoS. Und diese Maßnahmen sind in den bekannten VoIP-Protokollen (u.a. H.323) gegeben.

Warum sich VoIP bislang noch nicht durchgesetzt hat, ist mehr eine marketingtechnische Frage: Im internen Bereich existierte die Telefonie-Infrastruktur seit langem, danach kam die Daten-Netzwerkstruktur, und erst jetzt - meist bei Bedarf einer Modernisierung - gibt es Bestrebungen, ein und dasselbe Netz diensteintegriert zu verwenden. Und extern gesehen setzt das Ganze auf Breitbandverbindungen mit halbwegs großer Bandbreite und auf einigermaßen attraktive Angebote der Internet-Telefonieanbieter auf.

Gruss,

Hendrik
 
Erstmal Danke auf eure schnellen Antworten ;-)
Zum Verständnis Hendrik:

Erst durch die Möglichkeit IP-Pakete zu Priorisieren ,somit eine Latenzzeit von unter 200ms zu erreichen, ist es möglich VoIP zu betreiben. Und die Nötigen Vorraussetzungen sprich das ToS (Type of Service) IPv4 / Class Field IPv6 gibt es erst jetzt und daher war es nicht möglich VoIP eher zu betreiben ? Hab ich dass jetzt richtig verstanden oder bin ich am Verständniss vorbeigeschlittert ?
 
Teilweise... ToS/QoS gibt es schon eine ganze Weile, jedoch die hohen Bandbreiten für Consumer im Weitverkehrsbereich gibt es noch nicht lange.

Isochrone Netzwerke mit perfekter Eignung für VoIP habe ich schon Mitte der 90er benutzt ;-) ATM-Technologie nämlich... nur, die Bandbreiten bei Endanwendern waren bestenfalls 64/128 kbit. Da macht es wenig Sinn, über Sprachverbindungen über ISDN nachzudenken. Allerdings gab es auch damals im MBone einige Tools, die VoIP per Internet nutzten... Innerhalb von Forschungseinrichtungen hatten wir auch hohe Bandbreiten für Telefonie und Video... jedoch erst mit dem Rollout von DSL kamen wirklich Megabit-Bandbreiten an gewöhnliche Endkunden.

Für die Qualität des Dienstes ist sicher QoS wichtig, aber nicht alle Router im Internet respektieren das, sondern verfügen über Verkehr immer noch in Best-Effort-Manier... VoIP geht jedoch trotzdem.

Das Problem von H.323 war und ist, daß es sehr überladen ist. SIP ist deutlich einfacher und leichtgewichtiger, d.h. kann auch einfacher implementiert werden.

--gandalf.
 
Danke Gandalf für deine Antwort, solangsam hab ich das Vertrauen dass ich noch alles Verstehen werde, jedoch entsteht durch deine Antwort ne andere Frage(n):
Wie war es mögl. VoIP ohne ToS/QoS zu nutzen ? Weil ATM = Leitungsreserviert lief/läuft (es kann doch auch Paketvermittelt)?

Wenn nicht alle Router im Internet QoS respektieren, wie kann dann VoIP gewährleistet werden ?

Wäre es möglich deine Antwort daß H.323 überladen ist, zu definieren ( Sprich: Was heißt überladen ? Protokolle,Codecs etc..?)

Danke
 
ATM ist isochron, d.h. schicke ich Daten im Abstand von delta T ab, kommen sie auch im Prinzip im Abstand von delta T an. Das ist eine wesentliche Eigenschaft, warum ATM bei entsprechender Bandbreitenreservierung hervorragend dafür geeignet ist. ATM selbst wird nur auf Basis von Cell-Switching abgewickelt. Aber hierzu kann ich Dich auch auf die Wikipedia verweisen ;-)

VoIP-Protokolle (und das ist eine ganze Familie, denn VoIp sagt ja nur, daß Voice über IP übertragen wird) können z.T. auch Fehler, Paketverluste, Jitter, etc. ausgleichen, so daß man trotzdem miteinander sprechen kann. Da es im Internet auch heute keine end-to-end Bandbreitenreservierung gibt und auch keine globalen Annahmen bezüglich QoS getroffen werden können, ist das alles immer noch ein best-effort Netzwerk.

Und zu H.323 und Überladung des Protokolls: schau Dir mal die vielen Subprotokolle etc an... das ist in der Implementation doch einiges komplexer als bei SIP. Man könnte dazu einen Roman schreiben, aber Google liefert Dir ein paar brauchbare URLs (siehe mein Posting von weiter oben).

--gandalf.
 
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