Ersatz POTS durch VoIP in Wohnheim (13 Anschlüsse)

markusthielmann

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27 Mrz 2007
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Nach etlichen Stunden Google, dem hervorragenden Wiki und des Forums dieses Portals bin ich so schlau wie vorher auch.

Wir erwägen das bisherige POTS durch VoIP zu ersetzen, haben aber die genaue Ausgestaltung noch nicht wirklich verinnerlicht.

Vielleicht kann jemand durch eine Aufstellung des Status Quo und unserer Anforderungen ein paar Tipps geben, wie sich soetwas schlau anstellen lässt:

Aktuelle Situation:
Wir betreiben ein Studentenwohnheim mit 9 Zimmern und mehreren Gemeinschaftsräumen. Das Haus ist fast vollständig mit Cat-5 Kabeln "erschlossen", darüber hinaus ist durchgängig WLAN verfügbar, die Anbindung an die Aussenwelt erfolgt über eine 6MBit DSL Anbindung. Die Zimmer (sowie Küche, Arbeitszimmer, Gästezimmer und Bibliothek) vefügen über analoge Telefonanschlüsse, die an einer Telefonanlage angeschlossen sind, die wiederrum über zwei ISDN Anschlüsse die Verbindung zur Aussenwelt darstellt. Für DSL und Festnetztelefonate besteht eine Flatrate. Wir zahlen dafür rund 110,- ¤ monatlich.

Der Vertragspartner gegenüber dem Telekommunikationsbetreiber ist ein Betreiberverein. Die Rechnung werden händisch erstellt, das Inkasso erfolgt also über den Verein.

Die bisherige Lösung hat einige Nachteile (nicht nach Relevanz sortiert):

- Wir tragen das Inkassorisiko
- Mindestens ein Vereinsmitglied hat Zugriff auf die persönlichen Telefongewohnheiten
- Mindestens ein Vereinsmitglied muß ehrenamtlich Zeit aufbringen, um die Rechnung zu erstellen
- Aufgrund der Beschränkungen der Telefonanlage wird eingehend keine Rufnummer übermittelt
- Weitere Gemeinschaftsräume können nicht an die Anlage angeschlossen werden, da keine Telefonverkabelung dorthin verlegt wurde
- Rufnummern können weder "eingehend", noch "ausgehend" (Ein- und Auszug der Studenten) mitgenommen werden
- Die Anzahl der Gespräche ist auf vier gleichzeitige Telefonate beschränkt
- Zu den meisten Tageszeiten zahlen wir eine Grundgebühr für die ISDN Anschlüsse, obwohl wir sie kaum auslasten

Aufgrund der Altersschwäche unserer Telefonanlage, die sich insbesondere durch nachlassende Gesprächsqualität äussert, haben wir eine Erneuerung unserer Infrastruktur angedacht. Dabei kommt natürlich auch die Frage nach VoIP in Betracht.

Grundsätzlich ist unser Ziel: Die durch den Wegfall der ISDN Anschlüsse eingesparte Grundgebühr sollte innerhalb von höchstens 18 Monaten die Investitionen in neue Hardware amortisieren. Wir haben also zwischen 900 und 1200 ¤ für neue Hardware zur Verfügung.

Ich bin nicht sicher, ob alle eingesetzten Switche QoS "fähig" sind, der Router muß auf jeden Fall ersetzt werden.

Mein Hauptproblem: Unser -zugegeben spezieller- Anwendungsfall ist mit der mir bekannten Hardware schwer umzusetzen.

1) Die Telefonanlagen bieten in der Regel gute Unterstützung bei *einem* organisatorischen Verantwortlichen und *einer* Rechnungsstelle.
2) Die verschiedenen "Adapter" zum Anschluß von Analog-Endgeräten an das Netzwerk bieten keine internen Dienste wie Kurzwahlen oder eine Weitervermittlung

Eher weniger wichtig, aber auch nicht gänzlich unbedeutend: Die günstigsten von mir entdeckten VoIP Flatrates (für das deutsche Festnetz) liegen irgendwo bei 7,- ¤ pro Nutzer. Eine Lösung sehe ich dafür nicht. Ausser der Hoffnung, dass den meisten die Flatrate zu unbedeutend ist.

Vielleicht hat ja schonmal jemand ein ähnliches Projekt umgesetzt und kann mitteilen, für welche Lösung er sich damals entschieden hat.
 
Zunächst mal hallo und willkommen im Forum :-)

Es gibt bei Lösungen dieser Art außer der Kostenseite noch den Aspekt der Qualität - insbesondere auch in Bezug auf Zuverlässigkeit. Aufgrund der Abhängigkeit von einem Internetzugang und mindestens einem VoIP-Provider ist VoIP ggf. nicht in gleichem Maße verfügbar wie ISDN. Man sollte sich also Gedanken über Notrufe und Alternativen machen... beispielsweise können dies Handys oder ein einzelner analoger Amtsanschluss sein.

Wenn wir von 13 Teilnehmern ausgehen, dann hast Du nun verschiedene Optionen für die Ersetzung der bestehenden Tk-Anlage (die Kosten für DSL habe ich außen vor gelassen, da diese ja bestehen bleiben).

VARIANTE 1: Die Tk-Anlage wird ersatzlos gestrichen und jeder Teilnehmer bekommt ein IP-Phone (vernünftige Produkte gibt es zwischen EUR 50 und 100). Damit registriert er sich bei einem Provider und hat einen eigenen Vertrag. Dieser dürfte so um die EUR 10 p.m. kosten. Für 9 Zimmer wären dies also EUR 90 p.m. plus die initiale Investition von ca. EUR 450-900 für die Telefone). Kein Inkassorisiko, jeder ist frei, eine Flatrate oder keine zu wählen...

Das ist die Quick-and-Easy-Variante, in der alles dezentral abläuft und kein Vorteil durch eine Bündelung erfolgt.

VARIANTE 2: Man verwendet die bestehende Verkabelung und ggf. eine neue Tk-Anlage (z.B. eine Auerswald 5020), die die bestehenden Telefone auch weiter nutzen läßt. Die Anlage kann bereits zwei VoIP-Kanäle bedienen und läßt sich bis auf vier aufstocken. Man kann hier sogar ein analoges Amt anschließen, wenn es sein muss. Die Kosten für einen Vertrag mit vier Leitungen dürften unter EUR 40 liegen, für die Anlage um die EUR 400-600... das Aufdröseln der Rechnung muss jedoch wieder intern im Verein erfolgen.

Die ISDN-Amtsleitungen und ein paar Features der Anlage werden verschenkt.

VARIANTE 3: Man nimmt einen Router (z.B. Lancom 1724), der als quasi ISDN-Amt an eine ISDN-Anlage in der bisherigen Konfiguration angeschlossen wird (z.B. Auerswald 4410) und nun ein Trunking in Richtung VoIP betreibt. Hierzu muss man auch mit einem VoIP-Provider entsprechende Anzahlen von parallelen Gesprächen vereinbaren (max. EUR 40) und hat das Inkassorisiko wieder.


Kurzum: jede Bündelung von Anschlüssen erfordert von Euch die eigene Aufschlüsselung von Telefonaten. Jede Trennung der einzelnen Telefonieverträge auf einzelne Verträge bringt Euch einen Kostennachteil.

Intern kann eine analoge/ISDN Tk-Anlage verwendet werden, die einfach einen VoIP-Gateway erhält (im einfachsten Fall Fritz!Box Fon oder AVM VoIP-Gateway 5188) oder bereits VoIP spricht (z.B. Auerswald-Produkte). Alternativ könnte man IP-Phones verwenden, die sich entweder bei einem externen Registrar (VoIP-Anbieter) einzel oder gebündelt bei einem lokalen Registrar (z.B. Lancom 1724 Router, Software-Tk-Anlage für VoIP) registrieren.


Ich habe im eigenen Haus (siehe Signatur) mich damals für eine Auerswald COMmander Basic entschieden, die per VoIP-Gateway nach extern angebunden ist. Initial war das ISDN plus VoIP, nun ISDN plus Kabel-Telefonie plus VoIP, demnächst fällt wahrscheinlich T-ISDN weg ;-) Unter Kostenaspekten ist das nicht die einfachste Lösung, jedoch unter Qualitäts- und Funktionalitätsaspekten sowie der Einfachheit der Bedienung für die ganze Familie immer noch ein hervorragender Weg. Eine Erneuerung steht vielleicht in 3-5 Jahren an :-)

--gandalf.
 
Kosteneinsparung? Portierung Telefonnummern? Verkabelung?

Hallo gandalf,

läßt sich in diesem typischen Fall einer Campuslösung unterm Strich tatsächlich eine Kosteneinsparung erreichen?

Wie sieht es mit dem Thema Rufnummernportierung auf den zentralen Anschluss des Wohnheims und von diesem Anschluss weg überhaupt aus? Ginge das eventuell über einen PMX-Anschluss?

Was meinst Du zu dem Verkabelungsthema? Frage an der Stelle konkret: Würde VoIP mit Powerline funktionieren?

:confused:
 
[Edit wichard: Fullquote des Beitrags darüber gelöscht.]

Ich bin zwar nicht Gandalf, aber hier ist mein Kommentar:

Zum ersten Punkt: Qualitaet und Preis haengen immer zusammen, das wird leider oft vergessen. Man kann schon Geld sparen, muss aber dann gewisse Abstriche in Kauf nehmen.

Zum zweiten Punkt: Zu diesem Thema in DE kann ich nichts sagen

Zum dritten Punkt: Wenn Powerline funktioniert, funktionierts wahrscheinlich auch mit VoIP. Problem ist, dass es oft nicht fehlerfrei funktioniert -- das sollte aber kein grosses Problem sein, wenn das Haus groesstenteils Cat5 erschlossen ist (schlimmstenfalls muss man halt noch ein paar Meter Cat5 verlegen).

Ich kann mir vorstellen, dass man mit einem Asterisk-Server (so man denn einen Linux-Kundigen zur Hand hat) und je einem Sipgate und einem Betamax Account pro Bewohner, die man dann alle in den Asterisk einbindet, eine praktikable Loesung haette, die den Anforderungen genuegen wuerde. SipGate wuerde die Rufnummern fuer eingehende Gespraeche liefern, und gleichzeitig als Backup dienen, und Betamax wuerde guenstiges Telefonieren ermoeglichen. Die separaten Accounts wuerden das Inkasso-Risiko minimieren. Eventuell kann man noch einen einzigen POTS-Anschluss einbinden, der nur fuer Notrufe und kostenlose Gespraeche (0800) genutzt werden kann.

Bevor jetzt jemand schreit "So ein Mist, Sipgate und Betamax", bitte meinen ersten Absatz nochmal lesen.
 
wnpaul schrieb:
Ich kann mir vorstellen, dass man mit einem Asterisk-Server (so man denn einen Linux-Kundigen zur Hand hat) und je einem Sipgate und einem Betamax Account pro Bewohner

Wozu dann noch ein Asterisk-Server? Nur um die zurückgebliebene analoge Leitung zu "verteilen"? Sonst könnte sich doch jeder Bewohner mit einem SIP-Telefon ausrüsten und dann auf eigene Rechnung über sipgate/betamax sonstwas telefonieren.
 
sterkel schrieb:
Wozu dann noch ein Asterisk-Server? Nur um die zurückgebliebene analoge Leitung zu "verteilen"? Sonst könnte sich doch jeder Bewohner mit einem SIP-Telefon ausrüsten und dann auf eigene Rechnung über sipgate/betamax sonstwas telefonieren.

Ist schon wahr, der Asterisk wuerde halt ein paar weitere Moeglichkeiten bieten.

Aber vielleicht ist das auch nur der Linux-Fan in mir, der da spricht.
 
Ich würde die radikale Variante von gandalf unterstützen. Das Wohnheimnetz als reines IP-Netz gestalten und öffnen. Jeder Bewohner kann sich sein VoIP-Account darüber selbst einrichten und selbst aufladen. Der eine telefoniert über PC, der zweite über WLAN-PocketPC, der dritte... na ihr wisst schon. Und jeder hat seine eigene Rufnummer.

Ob man die Telefonanlage noch für den wohnheim-internen Verkehr erhalten muss, müsstet ihr selbst entscheiden.

Gruss vöxchen
 
Hallo splish.splash!

splish.splash schrieb:
läßt sich in diesem typischen Fall einer Campuslösung unterm Strich tatsächlich eine Kosteneinsparung erreichen?
Wie ich schon schrieb, bezweifle ich, daß sich das Entbündeln zur Vermeidung von Rechnungsaufdröselungen und die Kosteneinsparung unter einen Hut bringen lassen. Für den Einzelnen wird es teurer, jedoch flexibler, oder günstiger und man hängt von den anderen ab.
splish.splash schrieb:
Wie sieht es mit dem Thema Rufnummernportierung auf den zentralen Anschluss des Wohnheims und von diesem Anschluss weg überhaupt aus? Ginge das eventuell über einen PMX-Anschluss?
PMX lohnt sich erst ab mehr Leitungen. Vier ISDN-Kanäle sind dafür doch etwas dünn. Wenn man das ganze Wohnheim betrachtet (und das sind dann vielleicht ein paar 100 Teilnehmer), wäre natürlich ein lokales Soft-PBX interessant, an das man sich per IP-Phone registrieren kann. Hier empfehlen sich verschiedene Lösungen, die auch mit ISDN-Fallbacks arbeiten könnten... Man kann sich überlegen, ob eine Auerswald COMmander Business geeignet wäre.

splish.splash schrieb:
Was meinst Du zu dem Verkabelungsthema? Frage an der Stelle konkret: Würde VoIP mit Powerline funktionieren?
Zum Verkabelungsthema meine ich dies: http://wiki.ip-phone-forum.de/internet:haus ;-)

Zu VoIP mit Powerline (speziell devolo) habe ich vor einem halben Jahr mal wieder eigene Tests durchgeführt und muss eher abraten. Auf Powerline sind Jitter und Paketverluste deutlich höher, als VoIP manchmal toleriert. Kann klappen, ich bin jedoch persönlich etwas skeptisch.

--gandalf.
 
Asterisk mit Linux bietet wesentlich mehr Möglichkeiten, allerdings muss es auch einer warten.
Was man "wirklich" braucht wäre also ein Internetanschluß mit genügend Bandbreite und einem VoIP-priorisierendem Router.
Jedem Studi eine ausreichende Bandbreite und er/sie soll zusehen ob und wie er telefoniert. Und wenn einer nur Skype benutzen will, dann hat er/sie es eben nicht besser verdient ;-) (*würg*)

Ich fänd Asterisk auch schöner ;-) aber nicht wirklich notwendig.
 
ich weiß wir sind hier in einem VoIP-Forum, aber evtl. sollte man eine weitere Möglichkeit in Bedracht ziehen.

Mobilfunk
http://shop2.o2online.de/nw/produkte/handys/tarife/cardtarif/genioncards/index.html - keine Grundgebühren, jedoch Festnetznummer dabei

oder eine Telefon-Festnetz-FLAT inkl. Festnetzrufnummer für 10 Euro.
http://shop2.o2online.de/nw/produkte/handys/tarife/cardtarif/genioncardm/index.html

Vorteile:
1.) jeder kann seinen gewünschten Tarif wählen / mit- ohne Flat
2.) jeder hat seine eigene Festnetznummer, die er "mitnehmen" kann
3.) jemand anders kann die Telefonate nicht einsehen
4.) jeder hat seine eigene Leitung, ohne Engpaß der Datenleitung
5.) keine große Anschaffungskosten für Hardware.
 
Vielen Dank für die umfangreichen Antworten zu diesem Thema.

Zunächst hatte ich das ganze Projekt auf Eis gelegt, da die Kostenersparnis so gering gewesen wäre, dass es sich in den nächsten Jahren niemals amortisiert hätte.

Vor einigen Wochen hat dann allerdings ein Blitz unsere bisherige ("ungeschützte") Telefonanlage zerlegt.

Da meine Planungen noch nicht beendet waren, mussten wir also eine schnelle Lösung finden und haben uns eine Auerswald COMmander Basic 2 zugelegt, nicht zuletzt mit dem Hintergedanken nun in Ruhe VoIP austesten zu können.

Dazu werde ich sich noch den einen oder anderen Erfahrungsbericht einholen. Ziel ist zunächst innerhalb der nächsten 6 Monate einen der beiden ISDN-Anschlüsse mit einem VoIP-Zugang zu substituieren.
 
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