Ob der Elektriker das besser kann, ist eine Frage für sich. Wenn die CAT7-Kabel vom Elektriker unter Putz verlegt werden, dann auf jeden Fall in Leerrohren. Am Patchpanel dann mind. 1m Spiel lassen, damit man, wenn man irgendwann die Dosen tauscht, zum neuen Verklemmen etwas nachziehen kann.
Man muss bei der Zukunftsicherheit auch folgende Aspekte beachten:
1. "Quantensprünge" bisher und in Zukunft zu erwarten
Wesentliche Sprünge im Datenbedarf (Speicherung und Transport) ergaben sich in der Vergangenheit durch die Art der behandelten Medien, die über das Netz transportiert wurden/werden:
- Texte, Datenbank Fernzugriffe <=> alte BNC und TokenRing reichen / sind angemessen
- Bilder / Bildersammlungen <=> 10 MBps reichen / sind angemessen
- Videos (SD) <=> 100 MBps reichen / sind angemessen
- Videos (HD, HD3D) <=> 1 GBps reichen / sind angemessen
- Videos (Ultra HD, 4 und 8k, auch in 3D) <=> 10 GBps sind zu überlegen
Man kommt meist auch noch mit einer Geschwindigkeitsstufe geringer hin.
Mit UltraHD erreicht man das Ende dessen, was in Hinblick auf die menschliche Sinneswahrnehmung noch sinnvoll ist. Es gibt genug Menschen, die bis heute kein PC mit HD nutzen und mit 100 MBps zufrieden sind.
Mehr als 10GBps könnten bei passiven 3d (16/32k-Displays mit Lentikular) erforderlich werden. Dass kann aber zum einen noch lange dauern, zum anderen werden dafür noch spezielle Aufnahmetechniken benötigt, neue Kompressionsverfahren etc.
Hier müssten erst die Backbones einen Quantensprung machen, bevor sowas übers Internet ginge - da es aber praktisch nur spezielle Filme betrifft, könnte es hier auch ein Revival der Offline Medien geben (ein Film dieser Technik fürde Datenmengen im Terrabytebereich benötigen). Offlinemedien transportiert man aber klassisch im Adidas-Net (Turnschuhe anziehen und zum Mediaplayer tragen).
Insofern ist Kupfernetz mit CAT 7 auf sehr lange Zeit zukunftsicher.
2.) Kupfer vs. Glasfaser inhouse
A.) So komisch es klingt, aber hier ist Kupfer zukunftssicherer:
Über Glasfaser wird kein Strom transportiert. Power Over Ethernet ist gerade in Hinblick auf Geräte wie Telefone, IP-Kameras, zus. WLAN-APs für mobile Geräte etc. eine sehr wichtige Technik. Also hat Kupfer hier sehr gute Vorteile
B.) Glasfaser isoliert
Die Kehrseite des Kupfers: ein störender PC kann ins Netz einkoppeln und andere Geräte stören. Einige Fritzboxbenutzer können ein Lied davon singen - über WLAN alles paletti, ein angeschlossener PC lässt DSL zusammen brechen. Das sind allerdings eher nicht normgerechte Geräte, die das Problem bringen.
Auch Potentialunterschiede im Haus können Probleme machen (Brummschleifen). Das bei der Verlegung die Abstände zu Stromleitungen eingehalten werden müssen, sollte selbstverständlich sein.
Allerdings lassen sich diese Probleme auch ohne Glasfaserverkabelung lösen - man kann zwei Medienconverter mit einm kurzen LWL-Patchkabel als optischen Isolator nutzen und so gezielt Störungen beseitigen.
3. Verlegetechnik
CAT 7 hat die dickeren Kabel. Zum Unterputzverlegen benötigt man Schlitze in der Wand. Bei Glasfaser sind die Kabel so dünn, dass man eigentlich einfach mit einem Schraubenzieher den Schlitz in den Putz kratzen kann, das Glasfaserkabel in den Minischlitz kleben und dann übertapezieren.
Das bedeutet auch, dass man wichtige Strecken auch nachträglich im Rahmen einer Renovierung mit Glasfaser ausrüsten kann - es ist einfach fest zu verlegen.
Das Konfektionieren von Glasfaser erforder Spezialwerkzeug um die 5k€. Man kann aber einzelne Kabel auch in beliebiger Länge fertig konfektioniert bekommen.
4. Multifunktionsfähigkeit
Da habe ich ja schon was zu geschrieben. Auf Glasfaser geht Netzwerk und allenfalls S/PDIF mit passivem Konverter. Ansonsten benötigt man immer gleich eine Steckdose und ein extra Gerät (z.B. ATA für Telefonie) dazu.
Ich sehe Glasfaser und CAT7 daher nicht als Alternativen. Eine strukturierte Verkabelung in CAT7 deckt alle momentan und in mittlerer Zukunft zu erwartenden Fälle ab. In Hinblick auf Spezialanwendungen wie HDMI über Netzwerkkabel ist CAT7 zu bevorzugen - vor allem, wenn man neu baut/grundsaniert und genügent Dosen (2-4 Doppeldosen/Raum) vorsieht, kann auch die Verkableung von zwei Geräten in einem Raum sauber über CAT7 gehen - aber bei Luftlinie 5m mal eben 70m Kabellänge bedeuten. Der Vorteil einer solchen strukturierten Verkabelung, alles mögliche darüber abzuwickeln, führt dazu, dass die Gesamtweglänge so hoch ist, dass CAT7 für solche Sachen wie HDMI auch heute schon notwendig ist.
Nebenbei muss man den Material/Arbeitszeitquotienten im Blick behalten. Ab 550€/500m-Duplex-CAT7 lässt nicht wirklich viel Spiel, mit einem billigeren Kabel groß zu sparen. Lässt man an den Enden Spiel, so kann man sich auch erstmal mit CAT6-Dosen und Patchpanels begnügen.
Da CAT7 sehr langfristig zu gebrauchen bleibt, kann man hier die Leerrohre ggf. auch einsparen (die bei vielen Echen eh sehr schwer bis unmöglich nachträglich neu zu beschicken sind), wenn man von vorneherein selbst verlegt und nicht einen Elektriker ran lässt.
Ein Tipp für den Anschluss von Netzwerkdosen an CAT7: Weil das Kabel so steif ist, wird es richtig eng und schwierig. Am besten unter Putz eine doppelte oder dreifache Dosenschale vorsehen und nur die eine Seite nutzen. Die andere Seite dann abdecken und übertapezieren. Dann hat man deutlich mehr Spiel beim Einbau.