Verständnisfrage: Anlagenanschluss - Durchwahl ISDN/SIP

Waishon

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Moin,

ich bin aktuell dabei mich in die Welt der Telefonanlagen einzulesen und mich durch das Dickicht an spärlichen Informationen zu schlagen. Ich möchte gerne verstehen was ich tue ich nicht nur einem Tutorial folgen ;). Der aktuelle Plan ist die Migration von ISDN auf IP-Telefonie.

Wir haben aktuell einen ISDN Anlagenanschluss mit insgesamt 4 NTBAs und folglich 8 Amtsleitungen. Auf diesem Anschluss gibt es eine Stammrufnummer mit einem Rufnummernblock von 0-29: 040 12345 - [0-29].

In der aktuellen, zugegebenermaßen sehr antiken, ISDN Telefonanlage sind nun die Nebenstellen als 3. stellige Nummern eingetragen, unter der die entsprechenden Mitarbeiter erreichbar sind, sprich 040 12345 - 11 0, 040 12345 13 0, 040 12345 13 1...

Sprich der 2. stellige Block wird um eine Ziffer erweitert. Mein aktuelles Verständnis ist, dass der Provider des Anlagenanschlusses im Grunde sämtliche Anrufe, die den Prefix einer Nummer aus dem Rufnummernblock hat, an meinen Anschluss routet und dabei die letzte verbleibende Ziffer völlig ignoriert. Die Telefonanlage dagegen wertet entsprechend alle Stellen aus und ordnet den Anruf dann der Nebenstelle zu. Ist das soweit korrekt?

Wie ist das Verhalten in der modernen IP Welt, wenn ich als VoIP Provider z.B. Sipgate Trunking nutze? Ich registriere mir hier ebenfalls einen [0-29] Rufnummernblock und möchte weiterhin die Nummern 110, 130, 131 etc. weiterverwenden. Schaut der VoIP Provider hier ebenfalls nur auf den Prefix, und sobald dieser passt, wird der Anruf über SIP meiner Telefonanlage signalisiert, die dann im SIP Header das "To"-Feld auswertet und die entsprechende Nebenstelle auswählt? Oder blockiert der Provider einfach alles, wenn die Rufnummer nicht 1:1 mit dem Rufnummernblock übereinstimmt (sprich keine Verlängerung)?

Ist diese Verlängerung der Rufnummer eigentlich ein Feature oder eher Bad Practice und ein Workaround aus damliger ISDN Zeit, den man eigentlich nicht mehr nutzen sollte?

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Eine weitere Frage, die jetzt erst im Zuge des Einlesens gekommen ist: Wie findet eigentlich ein SIP Anruf seinen Zielserver/Provider? Angenommen ich rufe von meinem Telekom Anschluss eine Nummer an, die bei Sipgate registriert ist, aber z.B. mit gleicher Ortsvorwahl. Ich schicke dem Telekom SIP Proxy, die Nachricht, dass ich bitte mit der Rufnummer 040 12345 telefonieren will. Woher weiß die Telekom nun, dass sie diese Nachricht an die IP-Adresse vom SipGate Proxy schicken muss? Gibt es hier eine Art DNS Dienst für Telefonnummern oder wie funktioniert das?

Über Antworten wäre ich echt dankbar!
 

jodost

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Mein aktuelles Verständnis ist, dass der Provider des Anlagenanschlusses im Grunde sämtliche Anrufe, die den Prefix einer Nummer aus dem Rufnummernblock hat, an meinen Anschluss routet und dabei die letzte verbleibende Ziffer völlig ignoriert. Die Telefonanlage dagegen wertet entsprechend alle Stellen aus und ordnet den Anruf dann der Nebenstelle zu. Ist das soweit korrekt?
Ja. Das ist - vereinfacht gesagt - ein Überbleibsel aus der Zeit, als noch Ziffer für Ziffer gewählt wurde (und mit jeder Ziffer die Region, der Ort, der Straßenzug, das Gebäude und darin dann der Apparat klarer definiert wurde).

Wie ist das Verhalten in der modernen IP Welt, wenn ich als VoIP Provider z.B. Sipgate Trunking nutze?
Da SIP im Prinzip vollständig Blockwahl ist (d.h. es wird immer die vollständige Zielrufnummer adressiert, nix mit Ziffer für Ziffer), spielt die vollständige Rufnummer eine größere Rolle als früher.

Das führt zum einen dazu, dass irgendwo dazwischen möglicherweise die Rufnummer abgeschnitten wird, wenn sie mit zu viel Fantasie verlängert wurde. Wobei eine Ziffer mehr in aller Regel kein Problem darstellt.

Und zum anderen kommt es jetzt auf die SIP-Infrastruktur deines Anbieters an, wie er mit den Durchwahlen umgeht. Ich würde mal schätzen, dass die meisten bei einem Trunk-Produkt die Durchwahlen komplett, wie sie sie erhalten, an deine IP-Telefonanlage weitergeben und die kümmert sich um die Auswertung (also im Prinzip wie bei ISDN auch). Es ist aber auch denkbar, dass der Anbieter bei sich die gewählte Rufnummer auf die am besten passende "offiziell vergebene" Durchwahl matched und Dir dann nur diese signalisiert.

Konkrete Beispiele kann ich dir jetzt keine sagen, auch nicht wie es bei sipgate trunking aussieht. Da ich auf der anderen Seite (Anbieter) arbeite, habe ich wenig Erfahrung mit Produkten anderer Carrier.

Wie findet eigentlich ein SIP Anruf seinen Zielserver/Provider?
Dafür gibt es den Portierungsdatenaustausch, da informieren sich alle Carrier gegenseitig, welche Rufnummer jetzt in welchem Netz geschaltet ist.

Siehe z.b. hier: https://www.ip-phone-forum.de/threads/portierung-nicht-erreichbar.304791/page-2
 
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sonyKatze

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ISDN Anlagenanschluss mit insgesamt 4 NTBA […] Stammrufnummer mit einem Rufnummernblock von 0-29
Das ist so ein Fall in denen eigentlich ein System-Einrichter gefragt werden sollte. Er berät Dich anhand Eurer Anforderungen (braucht Ihr eine Zentrale 0, müssen wirklich alle Rufnummern von draußen direkt erreichbar sein, wieviele gleichzeitige Telefonate, …). Leider ist die Welt der Telekommunikation dermaßen komplex geworden, dass so ein Einrichter nur seine Favoriten verkaufen kann – weil er nicht mit allen Anlagen und Kombinationen Erfahrung hat bzw. weil auch nicht alle Kombination überhaupt gehen.

Schau Dir an, wie Ihr aktuell Eure Telefone benutzt. Setzt Dich mal einen Tag ins Büro und schau zu. Was sind Workarounds, was ist Schnick-Schnack den Ihr eigentlich nicht braucht. Dann kannst Du eine grobe Ausschreibung bzw. eine Anforderung schreiben. Fraglich ist auch, ob Ihr wirklich komplett migrieren wollt oder erstmal eine Übergangsbox nehmen wollt. Selbst im Consumer-Bereich finden sich schon Übergangsboxen mit zwei ISDN-Anschlüssen – braucht Ihr wirklich mehr als vier Leitungen, braucht Ihr wirklich 30 Rufnummern. Und so weiter.
 

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