Aber wegen der Angreifer: Du meinst solche, die bereits physischen Zugriff auf Dein Netzwerk haben, oder? Schließlich wird der APIPA-Bereich ja nicht geroutet.
Eigentlich nicht, ich rede hier mehr von CSRF über einen Browser oder einen anderen verwundbaren Client im LAN.
Zum Beispiel so:
Ob und wann das FRITZ!Box-GUI in der aktuellen Version tatsächlich noch
CORS verwendet bzw. zum Browser signalisiert, weiß ich nicht ... sollte es das tun, braucht es in der Theorie nur das Spoofen der IP-Adresse eines beliebigen Servers unter *.avm.de (das meint eigentlich eher DNS-Cache-Poisoning/DNS-Spoofing, nicht das tatsächliche Umleiten einer IP-Adresse über falsche ARP-Antworten), um da weitgehend per JS auf das FRITZ!Box-GUI zugreifen zu dürfen, jedenfalls im Rahmen dessen, was der Browser bei CORS zuläßt.
In der ar7.cfg steht i.d.R.:
Code:
cors_allow_origins = "*.avm.de";
cors_allow_headers = "SOAPACTION", "Content-Type", "Origin";
cors_allow_methods = "GET", "POST", "OPTIONS";
cors_max_age = 1d;
Damit müßte der fragliche Server, von dem Ressourcen nachgeladen werden, die dann erweiterte Rechte haben, nicht einmal tatsächlich existieren ... einzige Hürde wäre, auf eine DNS-Abfrage nach "catchmeifyoucan.avm.de" die passende Antwort zu liefern, auf einem Windows-PC würde da schon ein Eintrag in der "hosts"-Datei ausreichend sein und die Zahl der Malware, die versucht dort zuzugreifen, ist ja Legion. Da ist auch nichts mit HTTPS o.ä. und einer nachträglichen Erkennung von Fakes über das Zertifikat vorgesehen. Daß ein Virenscanner das wohl in der Tat verhindern würde, setzt immer noch die Existenz eines solchen beim Aufrufer voraus und wir wissen alle, daß es immer noch genug andere Fälle gibt. Es ist auch nur
ein Beispiel ...
Oder auch anders:
Die "webcm"-Lücke Anfang 2014 ließ sich ja über den Aufruf einer URL (schon über eine eingebettete Werbung) ausnutzen, es wurde einfach das auszuführende Kommando in der URL mit angegeben. Dieser Angriff ging eben dann ins Leere, wenn die URL "http://192.168.178.1/..." lautete und der Anwender seine Box auf eine andere Adresse konfiguriert hatte. Die Adresse 169.254.1.1 als permanent gültiges Ziel für einen Zugriff auf eine FRITZ!Box läßt sich allerdings noch schlechter abstellen, als der Zugriff über "fritz.box", den sie auch immer für sinnvoll erachtet, wenn man ihren DNS-Server befragt.
Aber die DNS-Einstellungen eines Clients (mit dem Browser) kann man eben in aller Regel auch noch beeinflussen ... dann nimmt man eben einen anderen DNS-Server als die FRITZ!Box. Bei der APIPA-Adresse nutzt das alles nicht, die FRITZ!Box antwortet auf ARP und man kann eigentlich nur noch dagegen angehen, wenn der Client für das Segment 169.254.0.0/16 keine ARP-Abfragen macht.
Ansonsten hilft bei vorhandenem ARP-Eintrag auch bei vielen Stacks keine "unpassende" IP-Adresse auf dem Interface mehr etwas, weil meist das Ethernet-Paket direkt mit der Layer2-Adresse auf die Reise geht und die ganzen Layer3-Mechanismen gar nicht mehr unbedingt greifen.
Fakt ist mal, es ist wesentlich einfacher, ein Ziel mit einer bekannten IP-Adresse oder einem bekannten Namen über "prediction" anzugreifen, als ein etwas "unschärferes". Da ich nicht unbedingt genau erkennen kann, was Du mit "physischem" Zugriff meinst, bin ich für ein klares "ja" oder "nein" zu unentschlossen. Der Zugriff über ein Relay (ich komme immer wieder auf die bekanntermaßen verwundbare und nicht mehr zum Fixen vorgesehene WebView-Komponente im Android, weil das die derzeit wohl bekannteste Lücke ist und diese Komponente nun mal genau für die Anzeige von Inhalten aus dem Internet, mithin von "untrusted sources", gedacht ist und benutzt wird) ist für mich noch kein physischer Zugang zum Netz, das ist nur der Zugriff (das muß noch nicht mal wirkliche "Kontrolle" sein auf dem Relay) über ein dort befindliches Gerät. Ich kenne aber auch Leute, für die das - wegen der physischen Präsenz des Relays im LAN der Box - tatsächlich ein physischer Zugriff ist.
Die Kritikpunkte an solchen "Fixpunkten" im LAN stehen im Groben ja auch noch mal in dem von mir verlinkten heise.de-Artikel ...
Auch wenn das nichts mit der Notfall-IP auf "dev lan" zu tun hat ... ich würde nicht einmal die Hand dafür ins Feuer legen wollen, daß die FRITZ!Box tatsächlich keine 169.254.0.0/16 routen würde, wenn das externe Interface entsprechend konfiguriert ist. Ob die Box es tatsächlich ablehnen würde, von einem DHCP-Server auf dem WAN-Interface mit einer Adresse aus dem APIPA-Segment konfiguriert zu werden, bezweifle ich ehrlich gesagt. Mit privaten IP-Adressen nach RFC1918 hat sie jedenfalls keine Probleme, die sollten ja auch "nicht routbar" sein ... macht in bestimmten Szenarien aber auch Sinn. Von der speziellen Bedeutung des Segments 100.64.0.0/10 nach RFC6598 hat sie ja auch eher keine Ahnung ...